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Umgedrehte Federn

Von Roland Knauer

Wissen
Das Altdeutsche Mövchen ist eine Taubenrasse mit typischen Kronenfedern.
© Sydney Stringham/University of Utah

Was Genveränderungen bei Tauben mit Alzheimer beim Menschen zu tun haben.


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Berlin. Analysieren Wissenschafter das Erbgut, um die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Tierarten und Rassen aufzuklären, sind faustdicke Überraschungen an der Tagesordnung. Ganz anders ging es Mike Shapiro von der University of Utah in Salt Lake City und seinen Kollegen, als sie das Erbgut von Rassetauben, Stadttauben und Felsentauben miteinander verglichen.

Im Fachblatt "Science" können die Forscher im Großen und Ganzen die bisherigen Annahmen bestätigen: Irgendwo im Nahen Osten haben Menschen vor rund 5000 Jahren Felsentauben gehalten und daraus mit der Zeit etliche hundert Taubenrassen gezüchtet. Einige Brieftauben aber kehrten nicht zurück und wurden zu Stadttauben, die an vielen Gebäuden Schäden anrichten und daher bekämpft werden.

Auch wenn die Paukenschläge ausbleiben, ist das Sequenzieren des Tauben-Erbguts ein wichtiger Meilenstein. "Solche DNA-Analysen für Vögel sind bisher Mangelware, wir wissen viel mehr über das Erbgut von Säugetieren und Fischen", erklärt Mike Shapiro. "Immerhin gibt es mehr als zehntausend Vogelarten, über deren genetische Unterschiede wir noch fast nichts wissen", wundert sich der Forscher.

Tatsächlich hatten Biologen bisher nur das Erbgut von Haushühnern, Puten, Zebrafinken und einer Papagei-Art genau analysiert. Dazu liefert Shapiro jetzt nicht nur die genaue Sequenz der Taubenrasse Dänischer Tümmler, sondern auch noch gute Analysen des Erbguts von 36 weiteren Rassen und zwei Stadttauben aus rund 1500 Kilometer voneinander entfernten Orten in den USA.

Vergleichen die Forscher das bereits bekannte Erbgut von Hühnern, Puten und Zebrafinken mit ihren Tauben-Sequenzen, erleben sie doch noch eine Überraschung: "Obwohl diese Arten sich über hundert Millionen Jahre unabhängig voneinander entwickelt haben, ähneln sich ihre Sequenzen sehr", so Shapiro. Warum sich in dieser langen Zeit nicht mehr Unterschiede angehäuft haben, kann man bisher nicht sagen.

Verwilderte Brieftauben

Mit ihren Erbgutanalysen bestätigten die Forscher die schon lange vermutete Abstammung der Haustauben von Felsentauben im Mittelmeerraum oder dem Nahen Osten. Die zwei in den US-Bundesstaaten Virginia und Utah mehr als 1500 Kilometer entfernt voneinander gefangenen Stadttauben wiederum hatten ein nahezu identisches Erbgut, das aber kaum Unterschiede zu Brieftauben zeigt. Damit scheint klar, dass die vielerorts zur Plage werdenden Stadttauben nichts anderes als die Nachkommen verwilderter Brieftauben sind.

Besonders interessierte sich Shapiro für die Federhauben, die rund ein Viertel aller Taubenrassen am Kopf tragen. Auch etliche andere Vögel schmücken sich mit Federbüscheln, mit denen sie offensichtlich um Partner werben. Bei den Tauben entstehen solche Hauben, wenn bestimmte Federn am Hals und auf dem Kopf nicht nach hinten und unten wachsen, sondern nach oben gerichtet sind.

Den Schalter für dieses Umdrehen haben die Forscher im Erbgut gefunden. Es handelt sich um das Gen für den Ephrinrezeptor B2 (Eph B2), der kein Unbekannter ist: Beim Menschen hängt diese Erbeigenschaft mit der Entstehung der Alzheimerkrankheit sowie mit Prostatakrebs und vielleicht auch anderen Tumoren zusammen. Bei den Tauben entscheidet eine bestimmte Veränderung im Eph B2-Gen schon im Vogel-Embryo darüber, ob eine Federhaube den Kopf schmücken wird: Noch im Ei dreht das leicht veränderte Gen die Keime um, aus denen diese Federn wachsen.

Da alle Tauben mit Federhaube genau die gleiche Veränderung an diesem Gen haben, während sie allen Tauben ohne diesen Kopfschmuck fehlt, kennen die Forscher mittlerweile auch die Geschichte dieser Eigenschaft: Offensichtlich ist sie ein einziges Mal zufällig entstanden und wurde dann an alle Nachkommen und daraus gezüchteten Rassen weitergeben.

Eine dieser Taubenrassen heißt aus gutem Grund "Altholländischer Kapuziner": Die braunen oder schwarzen Federn wachsen am Hals nach oben und umrahmen einen schneeweißen Scheitel. Damit ähneln die Tauben durchaus Kapuzinermönchen mit ihren braunen Kapuzen und einem Haarkranz auf dem Kopf.