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Und die Wahrheit?

Von Peter Bochskanl

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Am 6. August vor 60 Jahren wurde die Atombombe erstmals und ohne viele Skrupel an einer lebendigen Stadt mit lebendigen Menschen ausprobiert. Mit über 100.000 Todesopfern und der Verstrahlung Hiroshimas demonstrierten die USA ihre Vormachtstellung in der Welt und versuchten, Stalin (eher vergeblich) zu beeindrucken. Mit den beiden Atombomben auf japanische Städte wurde ein jahrzehntelanges Wettrüsten eröffnet. Das "Gleichgewicht des Schreckens" verhinderte zwar den Absturz in einen atomaren Weltkrieg. Aber auch heute reicht das nach Ost-West-Annährung und Abrüstung verbliebene Atomwaffenarsenal zur Selbstvernichtung der Menschheit, beunruhigt aber auch die reale Gefahr neuer, politisch instabiler Bombenbesitzer wie dem Iran und Nordkorea.

Auch für die TV-Anstalten sind Jubiläen Anlass, breiter in Themen einzusteigen - vornehmlich mit so genannten Doku-Dramen, oft technisch und dramaturgisch recht gelungenen Mischungen von Originalaufnahmen, nachgespielten Szenen und Zeitzeugeninterviews. Morgen um 20.15 in ORF 2, vergangenen Samstag und Sonntag in arte - jeweils unter dem Titel "Hiroshima". Die arte-Doku bewegte sich allerdings entlang der US-Rechtfertigungslegende, die Bomben seien notwendig gewesen, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. Heute ist gesichert, dass das nicht stimmt. Das dürfte auch 1995 schon klar gewesen sein, als der Film entstand.

Man darf auf die neuere ORF-Doku am Dienstag gespannt sein und warten, ob sie der zynischen Wahrheit näher kommt.