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Und sie reden wirklich miteinander

Von David Ignatius

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Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Die Gespräche zwischen Syrien und Israel laufen besser, als es sich viele Beobachter auch nur im Traum vorstellen konnten. Außenstehenden sind einige Aspekte noch rätselhaft.


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Was tut sich zwischen Syrien und Israel? Wie ernst sind die indirekt durch türkische Vermittler geführten Friedensverhandlungen?

Darüber habe ich mich mit allen Seiten unterhalten und dabei ein sehr optimistisches Bild gewonnen. Dieser Friedensprozess hat viele Menschen, auch Beamte der US-Regierung, völlig überrascht.

Wie jede geheime diplomatische Initiative ist auch diese von Mysterien und Rätseln umgeben. Daher möchte ich den syrisch-israelischen Dialog wie ein Puzzle angehen:

Wie haben diese Verhandlungen begonnen?

Im Herbst 2006 wurde der Weg möglich, gleich nach dem Libanon-Krieg im Sommer. Die destabilisierende Rolle der Hisbollah hatte sowohl in Damaskus als auch in Tel Aviv viel Nervosität ausgelöst. Syrien schlug indirekte Annäherungsgespräche vor und bestand auf der Türkei - einem der wenigen gemeinsamen Freunde - als neutralem Vermittler.

Der israelische Premierminister Ehud Olmert traute der Sache anfangs nicht so recht. Auch die US-Regierung war skeptisch, ob dieser Prozess irgendwohin führen würde. Vor ungefähr einem Jahr beschloss Olmert dann, den syrischen Weg auszuprobieren.

Was gibt es für beide Seiten zu gewinnen?

Ranghohe israelische Militäroffiziere plädierten dafür, sich auf Syrien einzulassen, weil sie glaubten, dass der Status quo in der Region nicht länger tragbar sei. Der Libanon war zu einem israelisch-iranischen Ersatzschlachtfeld geworden, und die Israelis hatten die erste Runde verloren.

Unterdessen stockte Syrien sein Arsenal an Raketen und anderen Waffen auf. Der syrische Präsident Bashar al-Assad war für die Gespräche mit Israel, um Versuchen der USA, Frankreichs und Saudi-Arabiens entgegenzuwirken, sein Land zu isolieren.

Kann Syrien vom Iran abgekoppelt werden?

Israels vorrangiges Ziel ist es, Syrien von seiner Allianz mit dem Iran abzubringen. Bisher können die Israelis allerdings in den Friedensgesprächen kein Zeichen dafür ausmachen. Und Beobachter warnen, dass diese Entwicklung unwahrscheinlich ist.

Ein Grund für eine Distanzierung Syriens vom Iran und eine Annäherung an die Türkei könnte aber darin zu finden sein, dass I das Baath-Regime in Damaskus durch und durch säkular ist und dem religiösen Eifer der Mullahs misstraut. Die Abkopplung wird aber eher kulturell und politisch erfolgen, nicht aus Sicherheitsgründen.

Wer hat Imad Mughniyah ermordet?

Jene Autobombe, die im Februar den iranischen Hisbollah-Geheimagenten in Damaskus tötete, hallt im Nahen Osten immer noch nach. Der Verdacht fiel sofort auf Israel. Doch am

27. Februar berichtete die in London erscheinende Zeitung "Al-Quds Al-Arabi", die sehr gute Quellen in Damaskus hat, dass mehrere arabische Nationen sich mit dem Mossad zu der Tat verschworen hätten.

Was ist mit Syriens geheimem Atomreaktor, den die Israelis am 6. September 2007 zerstört haben?

Seltsamerweise könnte der Angriff auf das vom CIA "Haus der Rätsel" genannte Gebäude den Friedensgesprächen geholfen haben. Die Israelis meinen, die Aktion sei hilfreich gewesen, um die Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckung wieder zu erhöhen. Und die Syrer sind zufrieden, dass das Schweigen der Israelis und der Amerikaner ihnen die Gelegenheit gab, ihre Spuren zu verwischen. Dass Assad die Atompläne geheim halten konnte und auch den Druck nach dem Angriff meisterte, zeigte schließlich den Israelis eines: Er ist Herr im eigenen Haus und daher ein glaubhafter Verhandlungspartner.

Übersetzung: Redaktion