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Ungarn: Konservative greifen nach Zwei-Drittel-Mehrheit

Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

Europaarchiv

Sozialisten kämpfen mit Rechtsextremen um Platz zwei. | Budapest. In der zweiten Runde der Parlamentswahlen stimmen die Ungarn an diesem Sonntag über die endgültige Zusammensetzung ihrer Volksvertretung für die nächsten vier Jahre ab. Im ersten Wahlgang am 11. April wurden 68 Prozent aller Parlamentssitze vergeben, was 265 Mandaten entspricht.


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Schon jetzt steht fest, dass die bisher größte Oppositionspartei Fidesz mit dem früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán an der Spitze allein regieren kann. Sie holte im ersten Wahlgang 52,8 Prozent aller Stimmen und stellt damit bisher 206 Abgeordnete. Am Sonntag könnte Fidesz sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit und damit mindestens 256 Parlamentssitze erlangen.

Nur ein Sozialist voran

Es müssen noch Abgeordnete für 57 Wahlkreise gewählt werden. Bisher liegen Fidesz-Kandidaten fast überall in Führung. Nur in einem einzigen Wahlkreis rangiert ein Kandidat der den parteilosen Noch-Premier Gordon Bajnai stützenden Sozialisten ganz oben. Dem Századvég-Institut zufolge haben die Sozialisten allerdings in insgesamt sieben Wahlkreisen noch reelle Chancen, den künftigen Parlamentsabgeordneten zu stellen. Für die frühere Regierungspartei geht es vor allem darum, zweitstärkste Kraft im neuen ungarischen Parlament zu werden. Am 11. April holte sie 19,3 Prozent der Stimmen und liegt damit vor dem rechtsradikalen Jobbik, der bisher 16,7 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt. In 39 Wahlkreisen rangieren die Sozialisten bisher an zweiter Stelle, der rechtsradikale Jobbik liegt in 16 Wahlkreisen auf dem zweiten Platz.

Im ersten Wahlgang gaben 64,4 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmzettel ab. Der Fidesz gewann am 11. April eine halbe Million neuer Wähler, während die Sozialisten 1,35 Mio. Wähler verloren. Századvég zufolge wurde Fidesz vor allem von Erwerbslosen gewählt, während die Sozialisten den größten Zuspruch bei Pensionisten hatten. Für Jobbik wiederum entschieden sich vor allem Facharbeiter und Studenten.