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Ungarn will Rückkauf des Eon-Gasgeschäftes

Von WZ-Korrespondentin Karin Rogalska

Wirtschaft

Erster Schritt zu "gemeinnützigen" Energieunternehmen.


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Budapest. Die ungarische Regierung will Eon Földgáz Trade, eine Tochter des deutschen Energiekonzerns Eon, zurückerwerben. Das hat Ministerpräsident Viktor Orban bei einem Festival im westungarischen Köszeg angekündigt, ohne weitere Details zu nennen. 2005 hatte der ungarische Energiekonzern MOL sein Gasgeschäft an Eon veräußert. Die nun geplante Transaktion wäre aufgrund einer Option möglich, die sich die sozialistische Vorgängerregierung 2010 am Gasgeschäft der Deutschen in Ungarn gesichert hatte.

Nach Konzernangaben kann der ungarische Staat bis 2016 davon Gebrauch machen. Angesichts der höchst angespannten Haushaltslage in 2012 und 2013 ist allerdings fraglich, ob die Regierung ihr Vorhaben überhaupt verwirklichen kann.

Eon Földgáz Trade beliefert sämtliche Verteilergesellschaften und damit indirekt jeden Haushaltskunden in Ungarn. Der Rückkauf durch den ungarischen Staat wäre also wohl ein Schritt zu der von Orban jüngst angekündigten Umwandlung von Energieversorgern in gemeinnützige Unternehmen. Betroffen sollen davon zunächst Unternehmen sein, die private Haushalte beliefern.

Aufgrund ihrer stabilen Zweidrittelmehrheit könne die Regierung Konflikte beim Rückkauf von Unternehmen problemlos durchstehen, betonte Orban: "Wir haben schon MOL von den Russen (Surgutneftegas) zurückgekauft und einen Teil der Wasserwerke von den Franzosen (Lyonnaise des Eaux), und innerhalb von Minuten werden wir Eon von den Deutschen zurückhaben."

2011 war kolportiert worden, dass die staatlichen Ungarischen Elektrizitätswerke (MVM) am Erwerb des Eon-Gasgeschäfts interessiert seien. MVM wollte angeblich Eon Földgáz Trade und Storage für insgesamt 800 Millionen Euro erwerben. Die Deutschen hätten allerdings mindestens 1,2 Milliarden Euro gefordert. Inzwischen wird über einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden spekuliert.