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Uni-Forschung im Verborgenen

Von Katharina Schmidt

Wissen

"Geringe Möglichkeit, gesellschaftlich aktuell zu sein. " | Historiker gegen Trennung von Lehre und Forschung. | "Wiener Zeitung": Was unterscheidet das Institut für Österreichische Geschichtsforschung von anderen historischen Instituten?


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Thomas Winkelbauer: Die rechtliche Stellung. Es ist kein Universitätsinstitut, sondern eine nachgeordnete Dienststelle des Wissenschaftsministeriums. Allerdings gibt es enge personelle Verschränkungen mit dem Instituts für Geschichte der Uni Wien. Arbeitsschwerpunkte sind die historischen Hilfswissenschaften, die Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit sowie die österreichische Geschichte vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Die Unis klagen über ständigen Geldmangel - wie sehr ist Ihr Institut mit seiner Sonderstellung davon betroffen?

Die Personalkosten werden großteils von der Uni bezahlt. Dazu gibt es noch ein jährlich zu verhandelndes Budget vom Wissenschaftsministerium für Forschungsprojekte und Publikationen. Daher haben wir vielleicht ein bisschen mehr Budget als ein normales Uni-Institut, aber Riesensprünge kann man damit auch nicht machen.

Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrer Arbeit als neuer Institutsleiter setzen?

Einerseits geht es darum, laufende Forschungsprojekte fortzusetzen. Aber da ich selbst kein Mittelalter-, sondern Neuzeithistoriker bin, möchte ich auch neue Projekte zur Geschichte der Habsburgermonarchie am Institut ansiedeln.

Wie beurteilen Sie den Stellenwert der Geschichtsforschung in der modernen Gesellschaft?

Ich fürchte, der ist gering. Geschichtsforschung - sofern sie sich auf die Zeiten vor dem 10. Jahrhundert bezieht - hat wohl nur eine relativ geringe Möglichkeit, gesellschaftlich aktuell zu sein. Da geht es wirklich um Grundlagenforschung - auf deren Basis man sich dann etwa mit der Entstehung des Nationalismus im 19. Jahrhundert beschäftigen kann. Bei uns geht es mehr um Grundlagenforschung als um kurzzeitige politische Diskussionen über die Instrumentalisierung der Geschichte. Das Institut ist also eher im Verborgenen.

Derzeit wird viel über das Verhältnis von Forschung und Lehre debattiert - Ihr Kommentar dazu?

Die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Lehre passiert in der Person der Lehrenden. Ich lehne auf jeden Fall ab, dass man - wie es in Deutschland angedacht ist - Lehrsklaven anstellt, die für die Personen, die für die Forschung angestellt sind, die Lehre abhalten. Eine Trennung von Forschung und Lehre ist nicht der Sinn der Universität.