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Unicredit bittet zur Kasse

Von Karl Leban

Wirtschaft

Großes Bankenkonsortium garantiert Platzierung der Milliarden-Emission.


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Rom/Wien. Weg frei für die geplante Kapitalerhöhung: In einer Sonder-Hauptversammlung haben am Donnerstag die Aktionäre des italienischen Finanzriesen Unicredit grünes Licht für die Emission gegeben. Mit dem Erlös aus dem Verkauf neuer Aktien - angepeilt sind 7,5 Milliarden Euro - will die Mutter der Bank Austria ein klaffendes Kapitalloch stopfen. Insgesamt fehlen der Unicredit knapp 8 Milliarden Euro, um beim harten Kernkapital wie von der europäischen Bankenaufsicht bis Mitte 2012 gefordert auf mindestens 9 Prozent zu kommen. Das ist der größte Kapitalbedarf aller italienischen Institute und auch EU-weit einer der größten.

Die Kapitalerhöhung, die mittlerweile dritte binnen drei Jahren, soll im ersten Quartal 2012 abgewickelt werden. Wie aus der Unicredit zu hören ist, wird man bereits im Jänner den Stückpreis für die neuen Aktien festlegen. Um einen Kaufanreiz zu bieten, wird wohl ein deutlicher Abschlag auf den Börsenkurs nötig sein, sagen Analysten. Derzeit notiert die Unicredit-Aktie bei 71 Cent.

Die Unicredit ist die erste Großbank in Europa, die mitten in der Staatsschuldenkrise und trotz der turbulenten Märkte eine Kapitalerhöhung über die Börse in Angriff nimmt. Wichtige Aktionäre, allen voran die italienischen Sparkassenstiftungen, haben der Bankführung um Federico Ghizzoni bereits signalisiert, dass sie Geld in die Hand nehmen wollen.

Auch Libyer beteiligen sich

Der libysche Staat, dessen Unicredit-Anteil von 7,6 Prozent infolge des Bürgerkrieges in dem nordafrikanischen Land vorübergehend eingefroren war, will sich an der Kapitalerhöhung ebenfalls beteiligen - mit rund 570 Millionen Euro, wie es aus dem Umfeld der Unicredit heißt. Libysches Vermögen in Italien, darunter nicht nur die Unicredit-Beteiligung, sondern auch Gelder im Wert von 600 Millionen Euro, hat die Regierung in Rom am Donnerstag wieder freigegeben.

Dass die Kapitalerhöhung noch platzen könnte, ist trotz allgemeiner Börsenschwäche nicht zu befürchten. "Das Gelingen der Emission wird von 14 Banken garantiert", betonte Gianni Franco Papa, Osteuropa-Chef der Bank Austria, am Mittwochabend vor Journalisten. Wenn die Unicredit also nur einen Teil der neuen Aktien über die Börse losschlagen kann, würden zur Not diese Banken als Käufer einspringen.

Unicredit-Chef Ghizzoni sagte am Donnerstag, dass sich wegen des Umfangs der Emission nicht alle Aktionäre beteiligen werden. Deshalb könnte es zu einer Änderung im Aktionärskreis kommen. Zuletzt war die Rede von chinesischen und arabischen Staatsfonds, die sich bei der Unicredit einkaufen könnten.

Vor allem wegen hoher Firmenwertberichtigungen wird die Bank heuer tief ins Minus rutschen. Im dritten Quartal fiel ein Rekordverlust von 10,6 Milliarden Euro an. Bei der Osteuropa-Expansion wird nun gebremst: Bis 2015 wird etwa die Hälfte der geplanten 900 Neufilialen auf Eis gelegt.