Zum Hauptinhalt springen

Unicredit schreibt Rekordverlust

Von Karl Leban

Wirtschaft

Mailänder kündigen 7,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung an.|Bank Austria baut 800 Stellen ab.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Mailand/Wien. Zu wenig Kapital, hohe Kosten, rote Zahlen im Heimmarkt und zu viele italienische Staatsanleihen - die Unicredit, die Mutter der Bank Austria, hat etliche Probleme am Hals. Um Italiens größtes Geldinstitut wieder auf Kurs zu bringen, will Konzernchef Federico Ghizzoni neben harten Einsparungen - in Italien sollen rund 5200 Jobs gestrichen werden - auch eine massive Kapitalerhöhung auf den Weg bringen. Diese soll der Bank 7,5 Milliarden Euro frisches Geld zuführen, damit sie die neuen EU-Kapitalvorgaben bis Ende Juni 2012 erfüllen kann. Das Kapital soll im ersten Quartal des nächsten Jahres fließen. "Staatshilfe wird nicht nötig sein", betonte Ghizzoni.

Wie sehr die Unicredit in der Klemme steckt, zeigen ihre jüngsten Ergebnisse: Im abgelaufenen dritten Quartal fiel ein Rekordverlust von 10,6 Milliarden Euro an. Wie die Bank am Montag weiter mitteilte, steht nach den ersten neun Monaten ein Minus von 9,3 Milliarden Euro zu Buche. Somit steht fest: Auch die Jahresbilanz 2011 wird mit blutroten Zahlen gespickt sein. Grund dafür sind vor allem massive Abwertungen von Bankbeteiligungen im Umfang von 9,6 Milliarden Euro. Nach Informationen der "Wiener Zeitung" entfällt der größte Brocken bei den nun durchgeführten Firmenwertabschreibungen auf die Bank Austria, die für das Geschäft in Österreich und Osteuropa (exklusive Polen) zuständig ist.

Vor fünf Jahren hatte die Unicredit ihrer deutschen Neuerwerbung Hypovereinsbank (HVB) die Bank Austria für 12,5 Milliarden Euro abgekauft und das wegen Osteuropa wertvollste HVB-Asset in die eigenen Bücher genommen. Damit wollten sich die Mailänder eine Rekapitalisierung der damals wackligen HVB ersparen - denn die konnte durch den Verkauf stille Reserven heben. Offenbar auf Druck der Wirtschaftsprüfer waren die Italiener zuletzt jedoch gezwungen, den relativ hohen Wertansatz für die Bank Austria angesichts der Schuldenkrise und der schwachen Konjunktur stark runterzuschrauben. Konkrete Zahlen hat die Unicredit dazu am Montag nicht genannt.

Auch in der Bilanz der Bank Austria hinterließen die herbstlichen Turbulenzen rund um Schuldenmisere und Konjunktur tiefe Spuren. Im dritten Quartal setzte es mehr als 600 Millionen Euro Verlust. Zum einen waren bei Tochterbanken in Kasachstan, der Ukraine und Russland Abwertungen von 705 Millionen Euro notwendig, und zum anderen belasteten 60-prozentige Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen, die sich nach dem dritten Quartal auf 304 Millionen Euro summieren.

Dennoch weist die Bank für die ersten drei Quartale einen Gewinn aus, mit 4,5 Millionen Euro allerdings einen verschwindend kleinen. "Auch im Gesamtjahr werden wir einen Gewinn schreiben", versicherte ein Sprecher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Bank Austria kappt 800 Jobs

Im Gegensatz zu ihrer Mutter erklärte die Bank Austria am Montag, mit 10,4 Prozent harter Kernkapitalquote derzeit keine Kapitalschritte setzen zu müssen. Von den Sparmaßnahmen in der Unicredit-Gruppe ist das Wiener Institut freilich sehr wohl betroffen. Bank-Chef Willibald Cernko kündigte an, dass der Personalstand in Österreich von derzeit 10.800 Mitarbeitern bis 2015 über natürliche Fluktuation auf 10.000 reduziert werden soll.

Einschließlich Osteuropa (CEE) hat die Bank Austria aktuell rund 62.400 Mitarbeiter. Im Gesamtreich der Unicredit sind zurzeit gut 160.000 Leute beschäftigt.

Zu den als wachstumsträchtig, aber riskant geltenden CEE-Märkten hat Konzernchef Ghizzoni am Montag ein Bekenntnis abgelegt: "Ein Rückzug ist nicht geplant." In Zukunft werde man aber selektiver vorgehen als in den vergangenen Jahren und verstärkt nach rentablen Wachstumsgelegenheiten in diesem Raum suchen, sagte der Unicredit-Boss, der am Montag einen Drei-Jahres-Plan präsentierte. In Italien hingegen soll das Geschäft redimensioniert werden, Einschnitte soll es auch im Investmentbanking geben.

An der Börse in Mailand verlor die Unicredit-Aktie zu Wochenbeginn knapp vier Prozent an Wert. Seit Anfang Jänner hat sich der Kurs des Finanztitels - derzeit bei 78 Cent - mehr als halbiert.