Zum Hauptinhalt springen

Uniqa rutscht tief in die Verlustzone

Von Karl Leban

Wirtschaft

Heimischer Versicherer schreibt heuer Minus von bis zu 300 Millionen Euro.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Im Stil von Erste-Chef Andreas Treichl unterzieht nun auch Uniqa-Boss Andreas Brandstetter die Bilanz seines Hauses einem radikalen Herbstputz. Griechische Staatspapiere werden für das dritte Quartal allesamt auf Marktwerte abgeschrieben. Ein teures Unterfangen, womit die zu Raiffeisen gehörende Uniqa-Versicherung im Gesamtjahr 2011 in die roten Zahlen rutscht - und das zum ersten Mal in ihrer Geschichte.

Konkret rechnet Konzern-Chef Brandstetter mit einem Vorsteuerverlust in Höhe von 250 bis 300 Millionen Euro. Damit steht auch fest, dass die Aktionäre in Sachen Dividende leer ausgehen.

Bisher hatte Brandstetter beim Ergebnis eine "schwarze Null" angekündigt und so die Gewinnerwartungen ohnehin bereits stark gedämpft - wegen des geplanten Konzernumbaus, dessen Gesamtkosten von 190 Millionen Euro bereits in der heurigen Bilanz zur Gänze verbucht werden. Dass der neue, seit Juli amtierende Uniqa-Chef das Jahresziel nun nochmals kappt, begründet er so: "Wir wollen nicht warten, bis alle Details zum griechischen Schuldenschnitt festgeschrieben sind, und wollen für alle heute absehbaren Belastungen bilanziell vorsorgen."

"Schmerzhafter Schritt"

Auch wegen der wieder wachsenden Unsicherheiten rund um die Ankündigung eines Referendums hat Brandstetter deshalb beschlossen, dass die Uniqa sämtliche griechischen Staatsanleihen über den international fixierten 50-prozentigen "Haircut" hinaus auf Marktwerte zum 30. September - rund 35 Prozent des Nominales - abschreibt. Diese Neubewertung hat in der heurigen Bilanz zusätzliche Einmalbelastungen von 250 bis 300 Millionen Euro zur Folge. In einer Aussendung spricht Brandstetter von einem "schmerzhaften Schritt", der aber angesichts von 24 Milliarden Euro Gesamtkapitalanlagen verkraftbar sei.

Bis zum ersten Halbjahr 2011 hatte die Uniqa Griechen-Bonds im Nennwert von 480 Millionen Euro im Portfolio. Zur Jahresmitte wurden diese Papiere angesichts der damaligen EU-Beschlüsse zur Beteiligung des Privatsektors an der Restrukturierung des hellenischen Staatshaushalts bereits um 58 Millionen Euro abgewertet (entsprechend dem vereinbarten "Haircut" von 21 Prozent). Jetzt erfolgt für das abgelaufene dritte Quartal eine weitere Abschreibung von 242 Millionen Euro. In den Büchern verbleibt damit ein Griechenland-Exposure von rund 180 Millionen Euro.

Wie Brandstetter betont, hätten die jetzigen Abschreibungen keinen Einfluss auf die geplante strategische Neuausrichtung des Konzerns. Auch die bisherigen Wachstumsziele seien weiter intakt.