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Unmut gegen Ahmadinejads No-Fear-Politik nimmt zu

Von WZ-Korrespondent Arian Faal

Politik

Parlament fordert Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft. | Teheran/Paris. Der Vorsitzende des sogenannten Expertenrates, der mächtige Expräsident Ali Hashemi-Rafsanjani, hat in den letzten Tagen mehrfach geäußert, was den Iran kurz vor dem Ablauf des alten Kalenderjahres am 21. März beschäftigt: die wachsende Arbeitslosigkeit verbunden mit dem Anstieg der Inflation sowie die wachsende Kritik am Führungsstil von Präsident Mahmud Ahmadinejad. "Es muss alles getan werden, damit der Wirtschaftsplan 2005 bis 2025 realisiert wird", forderte der greise Mullah, der in Teheran wegen seines mangelnden Bartwuchses den Spitznamen "Haifisch" trägt.


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Mit seiner indirekten Kritik an der Führungsmannschaft wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise steht Rafsanjani aber längst nicht mehr allein da. Auch die Parlamentarier gönnen Ahmadinejad, dem "Robin Hood" des Volkes, keine Schonfrist mehr. Der Unmut wächst auf allen Ebenen und das nicht nur in Teheran. Das hat auch der geistliche Führer, Ayatollah Ali Khamenei, mitbekommen.

Zur Gebetsstunde in Qom, der heiligen Stadt der Schiiten, macht sich Hektik breit. Ayatollah Yusef Saanei beeilt sich mit dem Tee-Ritual. Ein unzufriedener Gesichtsausdruck leitet seine mahnenden Worte ein: "Die islamische Republik machte zu Zeiten des großen Ayatollah Khomeini, dessen Seele in Frieden ruhen möge, wesentlich mehr Fortschritte. Die derzeitige prekäre Lage ist ein Zeichen, das wir uns von den wirklichen Zielen der Revolution und vom Imam weit entfernt haben. Die kultivierten Leute leiden und sind ohne Hoffnung."

Saanei ist einer von 14 großen Ayatollahs in Qom, die indirekt herbe Kritik an Ahmadinejad üben. Immer wieder hört man Sätze wie "Was haben wir im Iran? Nicht gehaltene Versprechen und Benzinpreiserhöhungen."

Diesem Seitenhieb auf Ahmadinejads nicht umgesetzter Ankündigung, dass die Ölerträge jedem Iraner zugute kommen würden, folgen Sinnfragen der Holocaustkonferenz, der Atompolitik und der Missachtung der Menschenrechte. "Man darf nie anderen antun, was man nicht möchte, dass man uns antut, lehrt den Koran", erläutert Saanei sarkastisch und schreitet zum Gebet.

Frauenproteste

Zeitgleich mit der Kritik aus Qom gaben auch Irans Frauen ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Bei einem Protest wegen der Einbestellung von fünf Frauenrechtlerinnen wurden am Sonntag 33 Frauen in Teheran festgenommen. Sie forderten die Freilassung der "Kämpferinnen des Rechts", denen vorgeworfen wird, im vergangenen Juni an einem Protest teilgenommen und somit öffentlichen Aufruhr gestiftet, die Sicherheit des Landes gefährdet und Grundsätze der islamischen Moral missachtet zu haben. Am Donnerstag sind weitere Kundgebungen geplant.