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UNO: Lubbers wird neuer Flüchtlingshochkommissar

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Genf - Der frühere niederländische Regierungschef Ruud Lubbers soll zum Jahreswechsel neuer UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge werden. Der 61-jährige Lubbers, der bisher nicht unter den Kandidaten für die Nachfolge der Japanerin Sadako Ogata genannt worden war, hat in einem Fernsehinterview bestätigt, dass UNO-Generalsekretär Kofi Annan ihn gefragt habe, ob er die Aufgabe übernehmen wolle.


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Das Amt des UNO-Flüchtlingskommissars ist einer der profiliertesten Posten im UNO-System. Das Kommissariat kümmert sich um Flüchtlinge und Vertriebene in aller Welt und ist an allen Brennpunkten im Einsatz. Derzeit versorgt das UNHCR 22,3 Millionen Flüchtlinge in Europa, Afrika und Asien. Ogata (73) tritt nach knapp zehnjähriger Amtszeit Ende des Jahres zurück. Die Ernennung Lubbers muss von der UNO-Vollversammlung bestätigt werden. Dabei handelt sich jedoch um eine reine Formsache.

Der am 7. Mai 1939 in Rotterdam als eines von 11 Kindern einer Industriellenfamilie geborene Ruud Lubbers begann seine berufliche Karriere nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zunächst in der Bau- und Maschinenfabrik seines früh verstorbenen Vaters, wo er sich als einer der Direktoren den Ruf eines sozial orientierten Unternehmers erwarb. 1973 berief ihn der damalige sozialdemokratische Regierungschef Joop den Uyl als Wirtschaftsminister in seine große Koalition. 1977 wurde Lubbers erstmals in das Parlament gewählt, 1979 wurde er Fraktionschef der Christdemokraten (CDA). Am 4. November 1982 wurde Lubbers als der bis dahin jüngste Regierungschef der niederländischen Geschichte vereidigt. Er trat mit einem rigorosen Sparkurs an, der bei den Gewerkschaften zunächst aus heftigen Widerstand stieß, sich insgesamt aber als erfolgreich erwies. 1986 konnten Lubbers Christdemokraten ihren Stimmanteil weiter ausbauen und auch 1989 legten sie bei den Wahlen noch einmal zu. Da sein Koalitionspartner, die Liberalen, aber einen heftige Niederlage einstecken hatten müssen, wurde Lubbers Chef einer großen Koalition mit den Sozialdemokraten. Nach regierungsinternen Differenzen über die Einkommenspolitik kündigte Lubbers 1993 an, dass er nach den Wahlen 1994 als Regierungschef zurücktreten werde. Seine Partei erlitt deshalb bei den Wahlen im Mai 1994 eine empfindliche Niederlage und verlor 20 ihrer 54 Mandate.

Lubbers bekundete 1994 sein Interesse, nach Jacques Delors Präsident der EU-Kommission zu werden, scheiterte aber an BRD-Kanzler Helmut Kohl, der ihm seine Skepsis über die deutsche Wiedervereinigung nachtrug. 1995 stand er auch als NATO-Generalsekretär zur Debatte, scheiterte aber am Widerstand der USA.

Lubbers, der sich zeitweise völlig aus der Politik zurückzog und einen Lehrauftrag an der Universität Brabant annahm, ist seit November 1999 Präsident des "World Wildlife Fund For Nature" (WWF).