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Eurosport ist einer jener zahlreichen TV-Sender, die sich meines Besuchs äußerst selten erfreuen. Das soll keine anti-sportliche Äußerung sein, bloß eine Feststellung, dass meine sportiven Gelüste zumeist bei den öffentlich-rechtlichen, die im Display weiter vorn zu finden sind, befriedigt werden.
Der Abstecher zu Eurosport am Dienstag war meiner unterstützenden Neugier geschuldet, wann denn die österreichische Läuferin Stefanie Graf an der Reihe sei. Der Sprecher redete die längste Zeit von Stabhochspringern, dem 400-Meter-Lauf der Männer - aber kein Wort über den 800-Meter-Lauf der Frauen. Als er dann doch noch von der "einzigen österreichischen Medaillenhoffnung" sprach, war dieselbe auch schon Vergangenheit. Was für eine Antiklimax! "Die Gräfin", wie sie im Sportteil von Zeitungen hin und wieder genannt wird, hat sich am Vorabend ihres entscheidenden Duells mit Maria Mutola im eigenen Bad mit Glassplittern so stark am Bein verletzt, dass ein Start erst gar nicht möglich war. Der einzige Satz des Eurosport-Reporters über die Glasflasche, die auf dem Boden des Bads zerschellte und die Hoffnungen einer Weltklassesportlerin in einem einzigen Augenblick zerstörte, hatte beinahe literarische Qualitäten.
So nahe ist der Sport dem Drama. Mit Georg Groddecks "Buch vom Es" als Handlungsmotor im Hintergrund ließe sich ein abendfüllendes Stück über eine tragisch scheiternde Heroin unserer Tage schreiben.
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