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Auf dem Bild zu sehen ist ein bärtiger Mann mit Sonnenbrille. Grinsend hält er ein Schild, auf dem zu lesen ist: "Mückstein ist Mengele in Sneakers!"
Dass man über den Sinn einer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lebensrettenden Impfung mit Impfgegnern nicht diskutieren kann, versteht sich von selbst. Bedenklich ist indessen, wie sehr die Impfgegner, wenn es ihnen um ihre eigenen bizarren Befindlichkeiten geht, in den Vergleichen jedes Augenmaß verlieren.
Allerdings wurde ihnen der Boden bereitet: Seit geraumer Zeit wird jeder mit einer abweichenden Meinung zum "Nazi" erklärt. Man ist skeptisch gegenüber Greta Thunberg? - Man ist ein Nazi. Man findet, dass Karl Lueger, trotz seines miesen Antisemitismus, einer der bedeutendsten Bürgermeister Wiens war? - Man ist ein Nazi. Man meint, Mohren-Apotheken seien keine despektierliche Namensgebung? - Man ist ein Nazi. Der Nazi-Vergleich ist zum Ersatz geworden für Redewendungen, die auf Wienerisch übersetzt in etwa heißen würden: "Heast amoe, du Gfrastsackl!"
Nur läuft diese Bedeutungsverschiebung jeder Moral entgegen. In der Nacht von 9. auf 10. November fand in Wien ein Pogrom statt, an dessen Ende 707 Juden tot, Synagogen in Flammen aufgegangen und tausende jüdische Geschäfte geplündert waren.
So agieren Nationalsozialisten: Sie versuchen nicht, Leben durch medizinische Errungenschaften zu schützen, sondern sie vernichten Leben. Diese Erkenntnis kann auch in der pandemischen Gegenwart als Kompass dienen.

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