Zum Hauptinhalt springen

Unter Bush junior schon 118 Todesurteile vollstreckt

Von Rainer Mayerhofer Huntsville

Politik

· Im US-Bundesstaat Texas, dessen Gouverneur George W. Bush die republikanische Präsidentschaftskandidatur anstrebt, ist Montagabend (Ortszeit) der Mörder und Anti-Todesstrafen- | Aktivist Billy George Hughes hingerichtet worden. Dienstag wurde trotz eines Appelles des Papstes der 27-jährige Glenn McGinnis für einen Mord hingerichtet, den er im Alter von 17 Jahren begangen | hatte.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 26 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Heuer fanden in Texas schon sechs Hinrichtungen statt. Eine weitere ist noch im Jänner geplant. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1979 wurden in Texas 204 Menschen

hingerichtet, allein seit Bush Gouverneur ist 118. Texas stellt damit einen traurigen Rekord. Am zweiten Platz bei den Hinrichtungen liegt Virginia mit 75 vollstreckten Todesurteilen, in Florida

wurden 44, in Missouri 41 Todesurteile vollzogen.

Hughes starb im Staatsgefängnis von Huntsville an einer Giftinjektion. Der 47-Jährige hatte sich hinter Gittern aktiv für die Abschaffung der Todesstrafe eingesetzt. Ebenso wie die Anfang 1998 in

Texas hingerichtete Karla Faye Tucker galt Billy Hughes bei zahlreichen Organisationen der Todesstrafen-Gegner als Paradebeispiel für einen geläuterten und gewandelten Häftling. Hughes schrieb in der

Haft ein Buch, machte zwei College-Examen sowie die Notarsprüfung und zeichnete professionelle Cartoons.

Hughes war 1976 für den Mord an dem texanischen Polizisten Mark Frederick zum Tode verurteilt worden. In seinen letzten Worten unmittelbar vor der Hinrichtung bezeichnete sich Hughes nach texanischen

Medienberichten erneut als unschuldig. Der Verurteilte hatte den Mord nie gestanden.

In der Vorwoche hatte Hughes in einem in der italienischen Zeitung "la Repubblica" veröffentlichten Brief neue Regelungen für die Todeskandidaten in Texas angeprangert. Demnach werden die

Todeskandidaten 7 bis 10 Tage · in Einzelfällen sogar bis 30 Tage · vor der Hinrichtung in Isolationshaft gebracht, dürfen keine persönliche Gegenstände mehr bei sich haben und nicht mehr Fernsehen.

Während der letzten zehn tage vor dem Hinrichtungsdatum werden sie alle 30 Minuten durchsucht und so am Schlafen gehindert.

Im Fall des bei seiner Tat noch Minderjährigen Glen McGinnis haben Amnesty International, der Vatikan und das Europäische Parlament an Bush appelliert, den Häftling zu begnadigen. Sie argumentierten,

er dürfe nicht für eine Tat exekutiert werden, die er als Jugendlicher verübt habe. Der Texaner hatte im Jahr 1990 einen Raubmord an einer Frau in Conroe begangen.