Zum Hauptinhalt springen

Unterschiede noch von Bestand

Von Martyna Czarnowska

Politik

Bei der Bildung holen Frauen stark auf, beim Einkommen sind sie weiterhin signifikant benachteiligt. Auch wenn die von der Statistik Austria durchgeführte Studie "Geschlechtsspezifische Disparitäten" kaum zu überraschenden Ergebnissen kommt, ändert dies nichts am Handlungsbedarf der Politik. Letzteres betonten ebenfalls Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Sozialminister Herbert Haupt - ohne auf Hinweise auf bereits erzielte Erfolge zu verzichten .


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 23 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Herbert Haupt selbst nannte ein Beispiel, wie sich als Erfolg verkaufen lässt, was in absoluten Zahlen eher gering erscheint. So habe sich der Anteil der Männer, die ihre Kinder zumindest größtenteils allein betreuen, zwar in den letzten Jahren verdoppelt. Doch der Prozentsatz ist noch immer kein hoher: Er liegt bei vier.

Mit der Publikation "Geschlechtsspezifische Disparitäten", erstellt im Auftrag der Ministerien für Bildung und Soziales, präsentierte die Statistik Austria eine Querschnittstudie, die unterschiedliche gesellschaftliche Bedingungen für Männer und Frauen in den Mittelpunkt der Untersuchung rückt. Und dass völlige Gleichstellung noch außer Reichweite liegt, belegen auch die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen.

Zwar haben Mädchen in Bildungsinstitutionen stark aufgeholt. Gleiches Einkommen bei gleicher Ausbildung ist jedoch nicht immer garantiert. So verdienen Universitäts-Absolventinnen rund 26 Prozent weniger als ihre Kollegen. Durchschnittlich beträgt der Einkommensnachteil vollzeiterwerbstätiger Frauen gegenüber Männern 18 Prozent.

Die Erwerbsbeteiligung steigt stetig: Waren vor 50 Jahren 49 Prozent der Frauen berufstätig, so sind es im Jahr 2000 62 Prozent gewesen. Ihr Anteil an Erwerbstätigen erhöhte sich damit auf 43 Prozent. Verstärkt kommt darin der "Trend zur Teilzeitarbeit" zum Ausdruck: 29 Prozent der Frauen wählten diese Arbeitsform. Und für 60 Prozent von ihnen waren familiäre Gründe dafür ausschlaggebend - was nur 17 Prozent der Männer als Argument gilt.

Die Gesamtarbeitszeit - inklusive Haus- und Familienarbeit - der Frauen ist im Schnitt dennoch länger. In Beziehungen lebende vollzeiterwerbstätige Frauen arbeiten rund 10,5 Stunden pro Tag - um eineinhalb Stunden länger als ihre Partner. Bei Vollzeiterwerbstätigkeit der Partnerin ist die Mithilfe der Männer im Haushalt um eine Viertelstunde höher als wenn die Frau keiner regelmäßigen Erwerbstätigkeit nachgeht.

Eine Einstellungsänderung auch auf Seiten der Männer sei daher notwendig, waren sich Haupt und Gehrer einig. Die Bildungsministerin, die sich als Anhängerin positiver Diskriminierung deklarierte, wies aber auch auf die Bedeutung der Motivation von Mädchen hin. Ein geringer Anteil entscheide sich etwa für technische Berufe.

Auch wenn die Zahlen zunächst anderes aussagen - aufgrund ihrer besseren Ausbildung werden Frauen künftig bessere Chancen im Beruf, höhere Einkommen und Pensionen haben, gab sich Haupt überzeugt. Auf gezielte Weiterbildung setzt dabei Gehrer.

Bei all dem gelte es allerdings auf die Bedürfnisse der Menschen Rücksicht zu nehmen. "Ist es unser Ziel, dass wir alle rund um die Uhr außerhäuslich erwerbstätig sind?" fragte die Ministerin. Daher störe es sie nicht weiter, dass nur acht Prozent der unter dreijährigen Kinder in institutioneller Betreuung sind. Ihr politisches Ziel sei es jedenfalls nicht, dass das auf hundert Prozent der Kinder zutreffe.

Dass aber Betreuungseinrichtungen für Kinder und Erwerbsbeteiligung der Eltern voneinander abhängen, liegt auf der Hand: 55 Prozent der Mütter üben einen Beruf aus, wenn ihr Kind institutionell betreut wird. Andernfalls sind nur 43 Prozent berufstätig.