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Skifahren wird teurer. Ein Interview mit Tourismusexperten Harald Pechlaner.
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Salzburg. Die Preissteigerung kommt so verlässlich wie der erste Wintereinbruch: Eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) berichtet jährlich im Herbst über die Entwicklung der Preise für Skipässe in Österreich. Dabei gibt es nur eine Richtung, nach oben. Mal steigen die Preise mehr, mal weniger, einen Zuwachs gibt es aber immer.
In diesem Winter kosten Tageskarten für Erwachsene im Durchschnitt um 2,6 Prozent mehr, Wochen-Skipässe werden um 3,7 Prozent teurer, also deutlich über dem Verbraucherpreisindex, der im selben Zeitraum nur um 1,6 Prozent stieg. Diese Entwicklung ist seit Jahren konstant. Laut VKI sind die Liftpreise seit der Saison 2004/2005 um 37,7 Prozent gestiegen, der Verbraucherpreisindex nur um 23 Prozent.
Ebenso konstant wie die Preissteigerung ist die Argumentation der Seilbahnbetreiber. Die Branche argumentiert stets mit hohen Investitionskosten. Über die Folgen dieser Entwicklung für den Wintertourismus hat die "Wiener Zeitung" mit Tourismusexperte Harald Pechlaner von der Universität Ingolstadt gesprochen.
"Wiener Zeitung": Die Preise für Skipässe in Österreich steigen seit Jahren konstant an. Ist diese Entwicklung ein Naturgesetz des Wintertourismus?Harald Pechlaner: Man muss die Preisentwicklung von mehreren Seiten betrachten. Das Preisgefüge ist nichts Stabiles, sondern unterliegt einem beträchtlichen Wandel. Beispielsweise nimmt die Beschneiung einen immer prominenteren Platz ein. Die Schneesicherheit ist ein wichtiger Anspruch. Das andere ist die Ausweitung des Angebots. Der Skifahrer ist immer weniger der klassische Skifahrer. Er verlangt nach einem differenzierten Angebot. Wir nennen das den multioptionalen Gast. Es braucht neben dem Skilift auch andere Angebote wie Wanderwege oder Rodelbahnen. Wir sehen, dass der Gast offensichtlich kürzere Zeit auf der Skipiste ist, aber gleich lange im Skigebiet bleibt. Skigebiete werden immer mehr Erlebnisberge. Es sind mehrere Stränge, die sich überlappen und dazu führen, dass sich die Kostenstruktur ändert.
Die Preisentwicklung führt dazu, dass Skifahren zum Luxusgut wird. Findet auf den Skipisten bereits ein demografischer Wandel statt?
Ja, der Wandel ist aber vielschichtig. Es gibt den demografischen Wandel und den Klimawandel. Dazu kam in den letzten Jahren die Wirtschafts- und Finanzkrise. Das sind Dinge, die ganz schnell auf das Freizeitverhalten drücken. Die Leute sagen nicht, dass sie nicht mehr auf die Pisten wollen, aber die Rahmenbedingungen ändern sich. Auch die Freizeit muss ihre Opfer bringen. Dieses Anpassungsverhalten verschärft den Wettbewerb unter den Skigebieten.
Kann es passieren, dass sich die Skigebiete angesichts dieses Wandels und der hohen Investitionskosten zu Tode investieren?
Dieses Zu-Tode-Investieren sieht man eigentlich nicht mehr. In Europa gibt es nur mehr Erneuerungs- und Erhaltungsinvestitionen, das Geld machen Seilbahnhersteller in Asien. Das Erweitern der Skigebiete hört auf. Was jetzt kommt, sind die Zusammenschlüsse von Skigebieten. Die Leitbetriebe müssen sich auf den wandelnden Markt einstellen. Es ist ohne Zweifel attraktiv, moderne Aufstiegshilfen zu haben. Der Kunde ist aber immer weniger bereit, mehr Investitionen zu tragen. Das Skifahren ist zwar noch das Kernprodukt, er will aber auch ein anderes Angebot.
Skifahrer verlangen also nicht zwingend nach beheizten Sesselliften und WLAN auf der Piste?
Annehmlichkeiten wie diese sind für Kunden immer Thema. Es hat aber alles seine Grenze, ab der man nicht mehr bereit ist, dafür zu zahlen. Es war sicher richtig, in die Technologie zu investieren, das ist aber nur ein Faktor. Man darf die Serviceorientierung auch nicht überstrapazieren.
Die VKI-Erhebung bezieht sich auf Preise für Tagesskipässe. Wie wichtig sind Tagesgäste für die Seilbahner?
Das hängt ganz stark von der Lage ab. Stadtnahe Skigebiete setzen ganz stark auf Tagespässe, Skigebiete in Feriendörfern haben eine andere Struktur. Es ist ein Unterschied, ob man auf Einheimische oder auf Gäste setzt. Wobei man aus touristischer Warte sagen kann, dass es wichtig ist, auch auf Einheimische zu setzen. Wenn man einheimische Kunden hat, fühlen sich auch die Gäste wohl.
Sie haben den Trend zu Zusammenschlüssen von Skigebieten bereits erwähnt. Gibt es tatsächlich eine Nachfrage dafür, hunderte Pistenkilometer zur Verfügung zu haben?
Die Kunden haben einen bestimmten Bewegungsraum, und den muss man kennen. Es gibt sportliche Fahrer, für die das attraktiv ist, für andere spielt das keine Rolle. Wenn man mit einem Drei-Tagesskipass nicht imstande ist, das alles abzufahren, verkauft man dem Kunden etwas, das er nicht haben will. Die Zusammenschlüsse kommen aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, es wird aber auch zukünftig kleinere Skigebiete geben, schon aus geografischen Gründen. Bei Zusammenschlüssen muss man vorsichtig vorgehen. Der Kunde zahlt nicht alles, wenn er den Nutzen nicht sieht.
Zur Person
Harald Pechlaner
ist Professor für Tourismus an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Mitglied des Expertenbeirats Tourismusstrategie des Wirtschaftsministeriums.
"Das Erweitern der Skigebiete hört auf."
Harald Pechlaner
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