Zum Hauptinhalt springen

Unzumutbare Zustände an den Universitäten

Von Brigitte Pechar

Analysen

"Die Uni brennt!" Was mit einer Aktion der Studierenden an der Universität der Bildenden Künste begann, hat sich zu einem österreichweiten Studentenprotest ausgeweitet. Gegen den sogenannten Bologna-Prozess haben sich die Demonstrationen und Besetzungen ursprünglich gerichtet, mittlerweile steht das gesamte Universitätssystem in Frage.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Entwicklung zu einer Massenuniversität in Österreich, die in den 1980er Jahren begonnen hat, wurde finanziell zu keiner Zeit im selben Umfang mitgetragen. Eine jahrzehntelange Austrocknung der Universitäten ist die Folge. Unter Bildungsministerin Elisabeth Gehrer schließlich traten die entsetzlichen infrastrukturellen Mängel zutage und gipfelten im Zusammenbruch der Rampe zum Haupteingang der Universität Wien. In der Folge gab es zwar nie die versprochene Hochschulmilliarde, aber es wurden zumindest die gröbsten Mängel behoben.

Das bedeutet aber nicht, dass die Studierenden an den Universitäten ein Klima vorfinden, das dem Studieren zuträglich ist. An den Bibliotheken fehlt es an ausreichender Literatur, die Ausstattung der Lehrräume ist veraltet - wenn auch nicht überall - und vor allem ist das Studierenden-Lehrenden-Verhältnis ein Graus. Am Wiener Publizistik-Institut etwa gibt es 1400 Studienanfänger - das Institut ist aber nur für ein Drittel dieser Zahl ausgelegt - ihnen stehen sechs (!) Professoren gegenüber.

Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass auch die Hochschülerschaft und die Studierenden selbst einen Beitrag zu dieser Misere geliefert haben. Es ist zwar verständlich, dass sich Studierendenvertreter gegen Studiengebühren wenden, allerdings wurden diese nach berechtigten Protesten durch ein erweitertes Stipendiensystem begleitet. Im Übrigen waren die Gebühren von 363,36 Euro pro Semester moderat. Und diese Mittel, wenn sie auch gering waren, standen den Universitäten zur Verfügung. Gleichzeitig wurde die Studentenstatistik von Karteileichen bereinigt.

Dass dieses System der Studiengebühren nicht das vernünftigste von allen war, liegt auch auf der Hand. Zuletzt hat die OECD wieder in einer Studie darauf hingewiesen, dass das Lebenseinkommen von Akademikern sehr viel höher ist als das anderer Arbeitnehmer. Es wäre also ein solidarischer Schritt gegenüber jenen, die die Universitäten mitfinanzieren und davon nicht profitieren, wenigstens einen kleinen Teil der Ausbildungskosten zurückzuzahlen.

Seit 20 Jahren weisen Hochschulforscher etwa auf das australische Darlehenssystem hin. Der Staat finanziert das Studium vor, die Uni-Absolventen zahlen den Kredit im Lauf ihres Berufslebens zurück - je nach Höhe ihres Einkommens. Damit hätten die Universitäten eine Manövriermasse.

Ein anderer Lösungsansatz wäre die vom Vorsitzenden der Universitätenkonferenz, Christoph Badelt, geforderte Studienplatzbewirtschaftung. Dafür müsste der Staat eine Bandbreite an Studienplätzen pro Fach vorgeben, die dann mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet würden. Derzeit etwa liegt die Studienanfängerzahl für Publizisten österreichweit bei 2200. Nun ist unbestreitbar, dass Berufe in der Medien-/Werbebranche vermehrt nachgefragt werden, aber der Staat muss sich schon die Frage stellen, ob für die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft nicht doch mehr Naturwissenschafter nötig sind.

Natürlich ist es wichtig für eine mündige Gesellschaft, dass sie nicht nur Technokraten produziert, sondern ein breites Bildungsspektrum ermöglicht. Genauso wichtig ist aber auch, dass es dafür die Rahmenbedingungen gibt. Da dem Staat offensichtlich die finanziellen Mittel fehlen, müssen Alternativen entwickelt werden.

Siehe auch:Rüsten für Großdemonstration

+++ Analyse: Knock-out durch die Hintertür