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Urlaub abseits der Touristenmassen

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft
Eine Auszeit vom Alltag suchen viele Österreicher - bei einem Aufenthalt im Kloster, bei Erlebnis- oder Kreativreisen.
© © PhotoSG - Fotolia

Ob Jodelseminar, zu Gast im Kloster oder Luxusreisen - Im Sommer splitten sich Urlaubsangebote immer mehr auf.


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Wien. Während die einen im Sommer wie die Sardinen am Strand liegen, verbringen die anderen ihren Urlaub bewusst weit weg vom Massentourismus. Sie schneidern ein eigenes Dirndl im Mostviertler Pielachtal, nehmen bei einem Aufenthalt im Kloster eine Auszeit vom Alltag oder buchen eine privat geführte Luxusrundreise nach Marokko.

"Die Urlaubsangebote splitten sich besonders in der Sommersaison in viele kleine Nischen auf", sagt Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. Der Großteil der Reisenden bevorzuge allerdings typische Destinationen und Urlaubsaktivitäten: "Nischenangebote wie Töpfern haben mit der Urlaubermasse nichts zu tun", sagt der Tourismusforscher.

Viele haben "Sehnsucht, selbst etwas herzustellen"

Eine "inspirierende Auszeit für schöpferische Seelen, geschickte Hände und feine Gaumen" bietet die Plattform Kreativ Reisen Österreich an. Mit rund 100 Partnern werden Kurse und Aufenthalte rund um Kunst und Kultur, Kulinarik und alte Handwerke organisiert - darunter ein Jodelkurs auf einer Salzburger Alm, ein Weinseminar oder ein Schnitzkurs im Tiroler Lechtal. "Die Urlauber lernen Gleichgesinnte und Regionaltypisches kennen", sagt Hermann Paschinger von Kreativ Reisen. Das Alter der Gäste sei bunt gemischt - von Jugendlichen bis hin zu Über-50-Jährigen, von denen besonders Frauen gerne die Malkurse besuchen.

Aufgrund der Anzahl der Anfragen sieht Paschinger einen Trend zu interaktiven Kulturangeboten: "Die Menschen haben Sehnsucht, selbst etwas herzustellen. In ihrem Beruf sitzen die meisten vor dem Computer und haben keinen Bezug zu einem fertigen Produkt." Kathrin Limpel vom Reisekonzern TUI in Österreich beobachtet einen Trend zu Erlebnisreisen: "Die Menschen möchten etwas erleben, etwas Besonderes haben, an das sie sich noch lange erinnern, von dem sie erzählen können."

Übernachten im ehemaligen Appartement des Kloster-Abts

Wer hingegen Stille und Einkehr sucht, kann in rund 40 Klöstern in Österreich und vier weiteren in Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik "zu Gast im Kloster" sein. Bei der Ausstattung kann meist zwischen Zimmern auf Drei- bis Vier-Stern-Niveau und einfacheren Zimmern gewählt werden - mit Bett, Kasten, Sessel und Tisch und teilweise Dusche und WC am Gang.

Auch das Stift Göttweig in Niederösterreich nimmt von Mai bis Oktober Urlaubsgäste auf. Zusätzlich zu den vier Doppel- und 22 Einzelzimmern wurden vor eineinhalb Jahren die Wohnräume des ehemaligen Abtes zum "Benedikt-Appartement" für bis zu sechs Personen umgebaut, gegessen wird im Stiftsrestaurant.

"Wir haben keinen Wellnessbereich, aber eine Kapelle", sagt Eveline Gruber, stellvertretende Tourismus-Leiterin im Stift Göttweig. "Es ist ein Angebot, aber kein Zwang, als Gast am Gebet und an der Vesper teilzunehmen", betont Gruber, die von stark steigenden Nächtigungszahlen berichtet. Zu den Gästen zählen Pilger auf dem österreichischen Teil des Jakobsweges und Radler, die auf ihrer Tour entlang der Donau im Stift Göttweig übernachten; andere planen lange im Voraus, eine Auszeit im Kloster zu nehmen. Dementsprechend schwankt die Aufenthaltsdauer zwischen zwei Tagen und drei Wochen.

Wer mehr Geld fürs Verreisen ausgeben möchte und Luxus sucht, kann bei Reiseveranstaltern zum Beispiel zwei Wochen im Sechs-Stern-Hotel auf Mauritius um fast 4000 Euro pro Person buchen. Das Segment Luxusreisen entwickle sich ausgezeichnet, sagt Gudrun Hauser, Touristik-Bereichsleiterin bei Thomas Cook Austria. Auch bei der TUI-Luxusreisemarke Airtours steigt die Nachfrage nach maßgeschneiderten Urlauben, die "dann auch etwas kosten dürfen". Kathrin Limpel von TUI Österreich: "Die Menschen haben immer weniger Freizeit. Die wenige, die sie haben, möchten sie genau so verbringen, wie sie sich das vorstellen."