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Ursprungsland Indien

Von Michael Schmölzer, Budapest

Politik

Die Heimat der Roma lag ursprünglich im Nordwesten Indiens. Von dort flohen sie - vermutlich vor dem sich ausbreitenden Islam - ab dem zehnten nachchristlichen Jahrhundert nach Persien.


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Die erste urkundliche Erwähnung vom Eintreffen der Roma im Gebiet des heutigen Europa, stammt aus dem Zeitraum um 1100 und findet sich in einem Bericht eines Mönchs aus der Abtei am Berg Athos, der eine Gruppe sogenannter "Atsigani" erwähnt. Sie dürften über Armenien, den Mittleren Osten, Zypern nach Südosteuropa gekommen sein.

In den folgenden Jahrhunderten siedelten sich die Roma unter anderem auf dem Gebiet des heutigen Ungarn, wie auch in Österreich an. Eine bedeutende Zuwanderungswelle gab es zur Zeit der Türkenkriege im 17. Jahrhundert, als viele Roma als Musiker und Hufschmiede mit den Heerscharen Kara Mustafas mitzogen und nach der Vertreibung der Türken in Österreich blieben. Im 19. Jahrhundert wanderten die sogenannten "Lovara" - Gruppen aus dem Gebiet der Slowakei und aus dem ungarischen Grenzland - in das heutige Burgenland ein, wo auch die Burgenland-Roma ansässig sind. Etwa zur selben Zeit trafen, aus der Region Böhmen und Bayern kommend, die ersten Sinti-Familien in Ostösterreich ein. Sie grenzen sich traditionell scharf von den Roma ab und benutzen eine eigene Sprache, die jedoch mit der der Roma verwandt ist.

Wegen ihrer Andersartigkeit wurden die Roma von der ansässigen Bevölkerung seit jeher nur in Ausnahmefällen akzeptiert. Im 18. Jahrhundert kam es auf dem Gebiet Österreichs sogar zu blutigen "Zigeunerjagden". Was allerdings nur ein linder Vorgeschmack auf das war, was die Roma und Sinti unter der Herrschaft des Nationalsozialismus erleiden sollten.