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US-Armee gibt Übergriffe von Soldaten im Kosovo-Einsatz zu

Von Jim Mannion

Politik

Washington - Mit ihren Schützlingen im Kosovo gingen die Männer der "Kompanie Alpha" nicht gerade zimperlich um: Beim Friedenseinsatz in der Krisenprovinz verprügelten die US-Soldaten albanische Demonstranten und belästigten Frauen bei Leibesvisitationen; ihre Vorgesetzten wussten Bescheid oder schauten weg. Ein interner Untersuchungsbericht, den die US-Armee jetzt mit halbjähriger Verspätung veröffentlichte, wirft ein vernichtendes Licht auf das Verhalten der Fallschirmjäger-Abteilung.


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"So etwas darf sich nicht wiederholen", betonte US-Verteidigungsminister William Cohen jüngst.

Am Anfang der Enthüllungen über die Kompanie, die zum 3. Bataillon des 504. Regiments der 82. Fallschirmspringer-Division gehört, stand ein grausamer Sexualmord an einem Kind: In einem Wald in der Nähe von Vitina im südöstlichen Kosovo wurde Anfang dieses Jahres die Leiche der elfjährigen Merite Shabiu gefunden. Der 36-jährige Feldwebel Frank Ronghi gestand die Tat. Im August wurde er wegen Mordes und Vergewaltigung vom US-Militärgericht in Würzburg zu lebenslanger Haft verurteilt.

Weil Ronghi zur "Kompanie Alpha" gehörte, wurde die gesamte Einheit einer Überprüfung unterzogen. Das Ergebnis lag am 25. Februar vor: ein 600 Seiten starker Bericht, zu dessen Veröffentlichung das Pentagon am Montag gezwungen wurde. Für Sexorgien fand der ermittelnde Oberst John Morgan darin keine Beweise, ebenso wenig wie für die Alkoholexzesse, für die die Truppe bei den Einheimischen in Verruf stand.

Schlicht "Ja" lautet hingegen seine Antwort auf die Frage, ob Kosovo-Albaner "eingeschüchtert, verhört, misshandelt und geschlagen" wurden. "Ja", heißt es weiter, "weibliche Personen wurden bei Durchsuchungen unpassend an Brüsten und Gesäß berührt". Ein Jugendlicher, der einen Diebstahl anzeigen wollte, wurde geohrfeigt. Ein Verdächtiger wurde mit dem Messer bedroht. Die Kompanie habe die Grenzen der ihr gestellten Aufgaben verletzt - ganz abgesehen von den Grundwerten der Armee, dem Nächsten mit Anstand, Würde und Respekt zu begegnen.

Nach Einschätzung von Oberst Morgan war die Kampfeinheit nicht dafür geschult, Polizeiaufgaben zu übernehmen. "Die Unfähigkeit der Vereinten Nationen, zügig eine zivile Polizei aufzustellen", habe die Schwächen von "Kompanie Alpha" nur noch verschärft. Vier Offiziere und fünf Soldaten wurden bisher für ihr Verhalten mit Disziplinarstrafen belegt.