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US-Bank half Griechen beim Schummeln

Von WZ-Korrespondent John Dyer

Europaarchiv

Währungsgeschäft maskierte Schulden. | Brüssel: Strengere Regeln gegen spekulative Attacken? | Boston/Wien. Die US-Investmentbank Goldman Sachs half Griechenland 2002 nach dem Eintritt in die Eurozone, seine Finanzen zu verschönern: Athen konnte Milliarden für Staatsausgaben aufnehmen, ohne sie als Schulden zu verbuchen. Dies wirft Fragen über den Einfluss von US-Großbanken auf den Euro auf.


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Als Mittel dienten Währungs-Swaps, berichtete das Magazin "Der Spiegel". Dabei tauschte Goldman Sachs Milliardenbeträge zu einem fiktiven, sehr vorteilhaften Wechselkurs. Diese Gelder sollte Athen später mit hohen Aufschlägen zurückzahlen; unter anderem aus Flughafengebühren und der staatlichen Lotterie.

Diese (legalen) Transaktionen waren für die Prüfer der Staatsfinanzen wie Eurostat nicht kontrollierbar: Finanzderivate wie Währungs-Swaps wurden damals nicht erfasst. Italien und die US-Bank J.P. Morgan hatten ein ähnliches Swap-Geschäft 1996 gemacht.

Grundsätzlich seien Derivate ein "sehr nützliches Instrument", erklärt Wirtschaftsprofessor Gustavo Piga von der Universität Rom. Allerdings könnten Banken so Einfluss auf die Politik gewinnen. Piga warnt vor "Erpressungspotenzial".

Kommen CDS-Regeln?

Aus Brüsseler Kreisen hieß es ferner, die Euro-Finanzminister könnten Leerverkäufe von griechischen Staatsanleihen über Kreditausfallsversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) einschränken. Damit soll verhindert werden, dass jemand auf eine Griechenland-Pleite spekuliert, der gar keine Anleihen besitzt. Für Bankaktien wurden Leerverkaufsverbote im Zuge der Finanzkrise bereits (zeitlich befristet) verhängt.

Wie bei allen Versicherungen sind die Prämienzahlungen bei CDS umso höher, je größer das Risiko eines Ausfalls ist. Allerdings werden CDS auch spekulativ und unabhängig von Schadensfällen eingesetzt. Dadurch könnten Hedgefonds im Verbund mit Investmentbanken, die solche Geschäfte anbieten, doppelt profitieren, wenn sie spekulative Attacken gegen ein Land reiten, schrieb James Rickards, ehemals Verantwortlicher für den 1998 kollabierten Hedgefonds Long Term Capital Management, im "Wall Street Journal". Diese CDS-Geschäfte seien so, als würde jemand für das Haus des Nachbarn eine Brandschutzversicherung abschließen - und dann mit dem Benzinkanister ausrücken.

Jetzt könnten regulatorische Schritte folgen: Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hat angekündigt, die Preisbildung bei Kreditausfallsversicherungen von Staatsanleihen zu prüfen. Dass Hedgefonds Staaten mit gezielten Spekulationen in den Bankrott treiben könnten, hält Wifo-Finanzmarktexperte Franz Hahn freilich für unrealistisch. Zum einen würden die Zentralbanken rechtzeitig intervenieren. Zum andern müssten die Renditen für Staatsanleihen dann noch höher liegen: Die derzeitigen Risikoaufschläge würden durchaus zum griechischen Ratingprofil passen.