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US-Präsident Barack "Lincoln" Obama

Von Patrick Minar

Gastkommentare

Der neue US-Präsident Barack Obama bemüht wie so viele Politiker den Geist Abraham Lincolns. Dieses Vorbild bringt jede Menge Sympathiepunkte, gilt er doch als kompromissloser Kämpfer für die Freiheit, Gegner der Sklaverei, Bewahrer der nationalen Einheit der USA. Der Lincoln-Mythos beruht aber auf Fehleinschätzungen und -interpretationen der historischen Zusammenhänge.


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Die größte Geschichtsfälschung betrifft Lincolns Haltung zur Sklavenfrage und deren Stellenwert im US-Bürgerkrieg. Gemäß der üblichen Lesart wollte er die Sklaverei beenden, und dafür musste er die widerspenstigen Südstaaten bekriegen. In Wahrheit war es ein ökonomisch motivierter Konflikt zwischen zwei verschiedenen Staats- und Wirtschaftskonzepten: Freihandel, Subsidiarität und dezentralisierte politische Ordnung (Südstaaten) vs. Protektionismus, Zentralismus und Big Government (Nordstaaten). An der Sklavenfrage entzündete sich dieser Konflikt höchstens, die Begründung für einen Krieg, der rund 650.000 Menschenleben kostete, lieferte sie keinesfalls.

Für Lincoln selbst war die Sklavenfrage nebensächlich, ihn trieb ausschließlich die Erhaltung der Union an. Das ist auch durch einen offenen Brief aus dem Jahr 1862 dokumentiert: "Mein oberstes Ziel in diesem Krieg ist es, die Union zu retten; es ist nicht, die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. (. . . ) Alles, was ich in Bezug auf die Sklaverei und die Schwarzen tue, geschieht, weil ich glaube, dass es hilft, die Union zu retten."

Die wirtschaftspolitischen Ziele und somit die Vorstellungen von einer politischen Ordnung waren zwischen Norden und Süden völlig unterschiedlich. Als agrarisch strukturierte Exportländer waren die Südstaaten auf offene Grenzen und Freihandel angewiesen. Lincoln, als Vertreter des Nordens, hingegen sah sich gezwungen, die noch junge Industrie des Nordens durch Schutzzölle vor billigen Importen zu bewahren und war daher ein massiver Befürworter eines starken Zentralstaats. Der Norden profitierte sehr stark vom wesentlich wohlhabenderen Süden, also lehnte Lincoln die Forderung der Südstaaten nach Selbständigkeit und Sezession ab.

Von ihm stammt die Aussage: "Nichts ist geregelt, wenn es nicht geregelt ist." Obamas bisherige Aussagen lassen vermuten, dass er seinem Vorbild tatsächlich folgen will. Den Weg aus der Finanzkrise sieht er - wie George W. Bush - in einer Ausweitung staatlicher Kontrolle und interventionistischen Eingriffen in Marktmechanismen. Zentralstaatlich gelenkte öffentliche Dienstleistungen sollen das Erreichen gesellschaftspolitischer Ziele ermöglichen und protektionistische Scheinlösungen der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Ohne substanzielle Änderung der US-Geld- und Budgetpolitik wird Obama atmosphärisch an Lincoln nicht heranreichen können. Inhaltlich jedoch dürfte der Etatist Obama seinem Idol um nichts nachstehen.

Patrick Minar ist Mitgründer der Red Carpet Opinionleader Consulting GmbH und betreibt den liberalen Weblog www.ichbinsofrei.at.