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US-Wahl: Zwei Nicht-Kandidaten mit Top-Umfragwerten

Von WZ-Korrespondentin Heike Warmuth

Politik

Gore und Gingrich werden von Fans zu Kandidatur gedrängt. | Letzte | Umfragen räumen beiden gute Chancen ein. | Washington. Die Fans von Al Gore wollen ein Nein einfach nicht gelten lassen. Und das, obwohl der ehemalige Vizepräsident der USA bereits unzählige Male öffentlich klarstellte, sich nicht in die Schlacht um die nächste US-Präsidentschaft werfen zu wollen. "Ich kann mir keine Umstände vorstellen, die daran etwas ändern würden", sagt er.


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Dennoch, seine Verehrer lassen nicht locker und versuchen ihn umzustimmen. Der Grund: Seine Umfragewerte sind äußerst vielversprechend. In einer letzten Befragung des Time Magazins war er hinter Hillary Clinton und Barack Obama an dritter Stelle zu finden.

"Would you please, please run!"

Spätestens im Herbst wird man es wissen. Gore könnte es sich nämlich leisten, spät ins Rennen einzusteigen. Seit seiner Dokumentation "Eine unbequeme Wahrheit" ist der Polit-Star bekannt bis in die hintersten Winkel von Iowa. Das Auftreiben des notwendigen Geldes für den Wahlkampf sollte daher auch kein großes Problem sein. "Er wird heute ganz anders wahrgenommen als noch vor sechs Jahren", sagt sogar Frank Luntz, ein prominenter republikanischer Politikberater. "Er ist eine Ikone."

Gore ist jedoch nicht der einzige "Altpolitiker", der von seinen Bewunderern aufgefordert wird, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Auf der republikanischen Seite warten so manche Parteigenossen sehnsüchtig darauf, dass Newt Gingrich, der ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, mit einem "ja, ich tus" vor die TV-Kameras tritt. Auch er rangiert bei Umfragen unter republikanischen Parteimitgliedern an guter dritter Stelle, hinter Rudy Giuliani und John McCain.

Diese Position reflektiert Gingrichs Status innerhalb der republikanischen Partei als auch die Unzufriedenheit der Parteimitglieder mit den anderen Kandidaten. Newt Gingrich ist vor allem bei den konservativen Republikanern beliebt. 1994, nur zwei Jahre nach Clintons Amtsantritt, eroberte er mit seiner konservativen Revolution und seinem "Vertrag mit Amerika", der sich gegen Staat und Steuern richtet, den Kongress. Und das nach 40 Jahren demokratischer Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Nach vier Jahren strengem Regiments - er spielte eine führende Rolle in dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Clinton wegen der Lewinsky-Affaire - legte er 1998 allerdings abrupt seinen Job nieder. Sowohl der schlechte Wahlausgang seiner Partei, als auch die Vorwürfe ethischen Vergehens und einer außerehelichen Affaire zwangen ihn dazu.

In einem Interview mit einer streng konservativ-christlichen Organisation am letzten Freitag gab er diese Affäre auch erstmals offiziell zu. "Die ehrliche Antwort ist ja", gestand er. Ob er mit dieser Beichte bereits Schadensbegrenzung für eine mögliche Kandidatur betreibt, ist unklar. Gingrich will sich erst Ende September entscheiden.

Mit Spannung kann also erwartet werden, ob in den nächsten Monaten aus den populären Nicht-Kandidaten doch noch ernstzunehmende Front-Runner werden.