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USA: Der Dauer-Stau als ewiges Dilemma

Von WZ-Korrespondent John Dyer

Politik

Staus kosten der US-Volkswirtschaft 87 Milliarden Dollar pro Jahr. | Zwei Stunden pro Tag stauen gilt bereits als normal. | Boston. Chris Gale ist PR-Manager in Manhattan. Er wohnt aber nicht in New York, sondern in Stamford im Bundesstaat Connecticut. Nur eine Stunde Fahrt von seinem Büro - an Wochenenden. Während der täglichen Rushhour braucht er unter der Woche zwei Stunden zur Arbeit und abends zwei Stunden nachhause. Nur selten nimmt er den Vorortezug. Denn der Fahrplan will nicht zu seinen Arbeitszeiten passen, vor allem dann nicht, wenn Gale am Abend lange im Büro zu tun hat.


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Zwar hat der wirtschaftliche Abschwung, der in den USA schon vor dem Einbruch an der Wall Street begonnen hatte, das Verkehrschaos etwas entschärft. Dennoch gehen durch die Staus aber nach wie vor unglaubliche Mengen an Zeit, Geld und Treibstoff verloren. Das Institut für Verkehrswesen in Texas, das alljährlich einen Bericht über die Verkehrssituation in den USA veröffentlicht, beziffert den wirtschaftlichen Verlust durch Staus bei Berufspendlern auf 87 Milliarden Dollar im Jahr 2007. Für jeden Pendler bedeutete das persönliche Mehrkosten von 750 Dollar. Fast 11,4 Milliarden Liter Treibstoff wurden zusätzlich in die Luft geblasen. Mehr als vier Milliarden Arbeitsstunden gingen verloren, umgerechnet auf die Pendler eine ganze Arbeitswoche pro Person.

Eisenbahnen fehlen

Die Zahlen für 2007 liegen trotz der sich damals bereits abzeichnenden Krise nur geringfügig unter denen von 2006. Der Abwärtstrend werde sich aber wieder umkehren, wenn die Wirtschaft erneut anspringt, sagt David Schrank, einer der Autoren des Berichts. "Das ist nur eine kleine Veränderung. Niemand sollte erwarten, dass er deshalb ohne Stau zur Arbeit fahren kann." Dass man das Problem in den Griff bekommt, scheint derzeit aber nicht absehbar.

"Die besten Lösungen sind die, bei denen das Vorgehen der Transportbehörden ergänzt wird durch Geschäfte, Fabriken und Pendler", sagte Mit-Autor Tim Lomax. "In den Köpfen steckt aber, dass das die Aufgabe einer Stadtverwaltung oder einer bundesstaatlichen Transportbehörde ist. Das Problem ist jedoch viel zu groß, als dass es von diesen allein gelöst werden könnte."

Diese Haltung hat laut vielen Verkehrsexperten dazu geführt, dass man die Staus zwar beklagt, aber wenig dagegen tut. In den USA sind die einzelnen Staaten für den Betrieb der Autobahnen zuständig, die Bundesregierung bezahlt nur den Bau. Die Vielfalt der Zuständigkeiten führt häufig zu miserablen Planungen. Auch sind im autoverliebten Amerika nur wenige Steuerdollars in den Ausbau der Eisenbahnen geflossen, sodass die Abhängigkeit von den Mega-Autobahnen vor allem in den urbanen Zentren bleibt.

US-Arbeitgeber zeigen zudem meist wenig Bereitschaft, auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzugehen. Das gilt auch für leitende Angestellte wie Chris Gale. Man bezahle ihm viel dafür, früh zu kommen und spät zu gehen und sich über den Weg zur Arbeit nicht zu beklagen, sagt Gale, der nicht in New York wohnen will, weil die Schulen dort sehr viel schlechter als die in Stamford sind.

Nur ein kleiner Stimulus

Lokalpolitiker hatten ihre Hoffnungen auf das Konjunkturprogramm von Präsident Barack Obama gesetzt. Von den 800 Milliarden sollten 30 Milliarden in neue Straßen und andere Infrastrukturprojekte fließen. Die Studie aus Texas zeige, dass die Verkehrsstaus eines der Hauptprobleme seien und bedeutende Investitionen in Verkehrsprojekte notwendig wären, sagt Frank Quon, Vize-Direktor des kalifornischen Verkehrsministeriums in Los Angeles - der Stadt mit den schlimmsten Staus in den USA.

Tatsächlich scheint sich aber wenig zu tun. Die "New York Times" veröffentlichte vor kurzem einen Bericht, laut dem die Städte bei der Verteilung der Gelder aus dem Stimuluspaket zu kurz kommen. Die 100 größten US-Städte erhalten für ihre Verkehrsprojekte weniger als die Hälfte der Gelder. "Wenn wir die Wirtschaft wieder ankurbeln wollen, dann müssen wir uns darauf konzentrieren, wo die Wirtschaft ist: in den Großstadtgebieten", sagt Robert Puentes von der Ideenschmiede Brookings Institution. "In den Bundesstaaten aber hat man die Erdnussbutter-Strategie: dünn auftragen und breit verstreichen, statt die Dollars zu nehmen und sie dort zu konzentrieren, wo die komplexen Verkehrsprobleme wirklich auftreten."