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Väter-Karenz vielfach kein Thema

Von Veronika M. A. Fillitz

Politik

"Das Schlagwort der ,vaterlosen Gesellschaft' passt mit Einschränkungen zur Beschreibung der gegenwärtigen österreichischen Situation." So beginnt ein Österreich-Bericht des "Europäischen Netzwerk Familie&Arbeit" über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Tatsächlich wird die Rolle des Mannes innerhalb der Familie vielfach nach wie vor traditionell als "Familienoberhaupt" oder "Familienernährer" definiert. Vor allem in Bezug auf Kinderbetreuung herrscht hier Nachholbedarf: Väterkarenz beispielsweise ist immer noch ein Randthema.


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Laut einer Procter&Gamble-Väterstudie gaben 70 Prozent der befragten Väter an, dass es bei ihnen nicht zur Diskussion stand, ob sie in Karenz gehen. Als Grund führten die meisten Beruf und Einkommen an - wobei sich allerdings eines zeigte: Hinter der finanziellen Seite steht ein beharrliches Festhalten an traditionellen Rollenbildern.

Frauen sind vielfach der Ansicht, die Väter-Karenz hätte nur dann Sinn, wenn der Familie daraus ein gravierender finanzieller Vorteil erwachsen würde. Das neue Kindergeld, das am 4. Juni 2001 im Nationalrat beschlossen wurde und ab 1. Jänner 2002 gelten wird, biete eben diesen finanziellen Anreiz, heißt es aus dem zuständigen Arbeitsministerium. Der Anspruch auf eine Ausbezahlung besteht nämlich nur dann bis zum dritten Lebensjahr, wenn der zweite Partner - in der Regel der Vater - mindestens sechs Monate in Karenz geht.

Aber schon mit dem Sparpaket 1996 hätte die Väterkarenz in Österreich Einzug halten sollen. Bereits damals wurden sechs Monate Karenzgeld, zusätzlich zu prinzipiell 18 Monaten, an die Auflage der "geteilten Karenzzeit" gebunden. Die meisten Familien verzichteten aber lieber auf ein halbes Jahr Karenz, als dass die Männer sich vom Beruf absentieren. In den Betrieben sei die dafür notwendige Akzeptanz nicht gegeben, erklärte Irene Kernthaler vom Österreichischen Institut für Familienforschung. Während bei jüngeren Frauen davon ausgegangen wird, dass sie durch Mutterschaft ausfallen, werden Männer vom Chef eher als unverzichtbar gesehen - oder fühlen sich zumindest selbst so. Dazu kommt, dass gerade in den jungen Jahren der berufliche Wettbewerb am größten ist und der Grundstein für spätere Karrieren gelegt wird. So wollen Männer sich ihre Aufstiegschancen im Beruf nicht durch sechs Monate "Baby-Pause" verderben.

Vielfach sind es allerdings die Mütter selbst, die auf die klassische Rollenverteilung beharren. Sie wollen ihr "Machtrefugium" Haushalt und die wertvolle Zeit mit ihren Kinder nicht aufgeben. Zu tief ist das traditionelle Rollenbild - Mutter daheim, Vater in der Arbeit - in unserer Gesellschaft verwurzelt. Die Gesellschaft rede den Frauen ein schlechtes Gewissen ein, sobald sie neben der Mutterrolle auch ein aktives Berufsleben führen will, meint dazu die Frauensprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic. Das durch die Regierung propagierte Familienbild sehe das Ideal der "guten Mutter" nach wie vor zu Hause beim Kind. Ein Vater, der seine familiären Pflichten wahrnimmt, werde immer noch als "exotischer Aussteiger" angesehen. Teilzeitarbeit beider Elternteile werde durch die Zuverdienstgrenze (künftig 200.000 Schilling jährlich) unmöglich gemacht. Die Grünen treten daher für ein "Karenzgeldkonto" ein, von dem ein bestimmter Betrag in beliebiger Zeit abgerufen werden kann. Zusätzlich seien die Rahmenbedingungen, wie etwa Kinderbetreuungs-Einrichtungen und Teilzeit-Modelle, zu verbessern, betont Petrovic.

Die SPÖ propagiert schon seit längerem, in Anlehnung an die Arbeitslosen-Beihilfe, ein einkommensabhängiges Karenzgeld. Kinderbetreuung und Teilkarenzierung müssten auch überdacht werden. Das Kindergeld sei jedenfalls ein "familienpolitischer Rückschritt". Auch wenn zuletzt Rekord werte im Bereich der Väterkarenz verzeichnet wurden - 1,92 Prozent sämtlicher Bezieher waren im Juli 2001 Männer - steigt die allgemeine Akzeptanz dafür nur sehr langsam. Das zuständige Arbeitsministerium sieht allerdings keine Notwendigkeit in einer Werbekampagne, wie sie derzeit in Deutschland läuft.

Um nachhaltig das traditionelle Rollenbild zu wandeln, würde darin aber wahrscheinlich ein guter Ansatz liegen.