Väter, verpasst nicht die Rolle eures Lebens!

Von Paul Fruhmann

Gastkommentare
Paul Fruhmann ist Vizepräsident des Katholischen Familienverbandes und Vater von drei Kindern.
© privat

Wir müssen dafür sorgen, dass Väter ihre Work-Life-Balance leben können.


Unter dem Motto "Vater sein - verpass nicht die Rolle deines Lebens" widmet sich der Katholische Familienverband Österreichs seit Jahren dem Thema Väterbeteiligung. Der Vatertag ist Anlass, um zu fragen: Was genau ist die Rolle des Lebens für einen Vater? Und wie schaut die Rolle des Vaters vor dem Hintergrund seiner Work-Life-Balance aus? Gibt es bei den Vätern auch so etwas wie die Doppelbelastung aus Beruf und Familie? Oder ist es einfach nur selbstverständlich, als Mann Beruf, Familie und Freizeit im Griff zu haben?

Ich glaube, dass man das nicht so einfach sagen kann. Wir haben heute ein viel differenzierteres Bild von der Rolle der Menschen in der Familie als noch vor ein paar Jahren. Tradierte Klischees wie jenes, dass Mütter immer eine Doppelbelastung haben müssen, oder jenes, dass Väter keine so enge Beziehung zu den Kindern aufbauen können wie Mütter, sollten wir noch viel öfter und klarer diskutieren, als das bis jetzt schon der Fall ist. Gott sei Dank setzen sich heute viele Männer intensiv mit ihrer Rolle als Vater in Familie und Gesellschaft auseinander. Die verschiedenen rechtlichen Möglichkeiten, mit denen Väter unterstützt werden, sind eine Folge davon.

Im Rahmen einer repräsentativen Studie, die der Katholische Familienverband im heurigen Jänner bei Integral in Auftrag gab, wurden 399 Väter, die mit Kindern im Alter bis 14 Jahren im Haushalt leben, zum Thema Väterbeteiligung befragt. Die Studie lässt mit einigen Ergebnissen aufhorchen: So werden Väterbeteiligungsangebote speziell in Anspruch genommen, um Zeit mit den Kindern zu verbringen (61 Prozent) und die Beziehung zu fördern (56 Prozent) beziehungsweise weil Väterbeteiligung (58 Prozent) und eine partnerschaftliche Teilung der Erziehungspflichten (48 Prozent ) als wichtig angesehen werden. Finanzielle Gründe (54 Prozent) sind das Hauptmotiv, warum Väterbeteiligungsangebote nicht genutzt werden; mit Abstand folgt als Begründung, dass es im Unternehmen unüblich ist oder war (24 Prozent) beziehungsweise generell kein Interesse besteht (22 Prozent). Die gesamte Studie ist im Internet auf www.familie.at/vaeterstudie nachzulesen.

Selbstverständlich kann man Studien lesen, wie man will, und die Auslegungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Menschen, die diese Auslegungen machen. Ich lese jedenfalls aus der Studie heraus: Es gibt mehr Väter, denen die Zeit mit ihren Kindern und die Beziehung zu ihnen wichtiger sind, als solche, die sich aus finanziellen Gründen die Zeit für die Kinder und die Beziehung nicht nehmen. Das ist einerseits ein Grund, sich zu freuen, weil es Väter gibt, die sich ganz klar in ihrer Vaterrolle in der Familie positionieren; anderseits zeigt die Studie aber auch, dass wir alle gemeinsam noch sehr viel erledigen müssen. Wir müssen dafür sorgen, dass Väter in Zukunft ihre Work-Life-Balance leben können. Und zwar zum Wohle der Familien, der Unternehmen und der nächsten Generationen. Ich bin überzeugt davon, dass wir in dieser Hinsicht nicht die letzte Generation sind. Väter haben die Verantwortung für die nächsten Generationen. Diese Verantwortung zu übernehmen, das ist die Rolle meines Lebens als Vater.