Veganes Essen schwächt die Knochen - manchmal

Von Eva Stanzl

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Gemüse sieht köstlich aus und schmeckt auch so, es enthält jedoch nicht alles.
© adobestock/PhotoSG

Orthopäden warnen: Unausgewogener veganer Speiseplan kann Knochengesundheit schädigen.


Nicht zuletzt weil der Gemüse-Anbau weniger Ressourcen benötigt als die Viehwirtschaft, essen immer mehr Menschen rein vegan. Laut "Austria Presse Agentur" verzichten in Österreich 40.000 Personen auf den Verzehr von tierischen Produkten. Europaweit sei es ein Prozent der Gesamtbevölkerung, wobei bis zu drei Prozent davon Kinder und Jugendliche seien.

Doch Vorsicht bei der Zusammenstellung des Speiseplans: Gerade in der Wachstumsphase könne eine rein pflanzliche Diät ein Risiko darstellen. Wer einfach Fleisch, Fisch, Eier und Milch ersatzlos vom Teller streicht, ohne die Nährstoffe aus tierischen Produkten wettzumachen, riskiere einen Verlust der Knochenqualität, sagte Ronald Dorotka, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Fachärzte für Orthopädie, am Montag vor Journalisten.

Im Grunde genommen stelle der Verzicht auf tierische Nahrung kein Problem dar. Wer jedoch Bestandteile wie Kalzium, Eisen oder Vitamin D aus tierischen Nahrungsmitteln nicht ersetzt, dessen Knochengesundheit sei gefährdet, erklärte der Leiter des Orthopädie-Zentrums Innere Stadt Wien. "In der jüngsten Vergangenheit hatten wir drei Patienten, die sich vegan ernähren, wo es zu Beinahe-Ermüdungsbrüchen kam. Das bewog mich dazu, mich in die Problematik zu vertiefen", sagte Dorotka zur "Wiener Zeitung".

Zuvor hatte ein internationales Team Daten zur Knochendichte von 37.000 Personen aus Nordamerika, Europa und Asien ausgewertet. Insgesamt wurden 20 Studien unter die Lupe genommen. Es zeigte sich, dass Menschen, die sich vegan ernähren, ein um ein Drittel höheres Risiko für Knochen-Ermüdungsbrüche aufweisen, die normalerweise bei (sportlicher) Überlastung eintreten. Das heißt: Die Knochen von Veganern sind weniger belastbar. Sowohl Veganer als auch Vegetarier (die auch Milchprodukte verzehren) hatten zudem eine geringere Knochendichte im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule. In der im Fachmagazin "Nutrition Review" veröffentlichten Überblicksstudie "wurde allerdings keine Rücksicht darauf genommen, wie die Speisepläne zusammengestellt waren", räumte der Orthopäde ein.

Süßigkeiten und Softdrinks

Ähnlich wie Fleisch in erster Linie dann dick macht, wenn es häufig fettreich und zusammen mit Knödeln und sahniger Sauce verzehrt wird, führt eine vegane Diät zu einem höheren Risiko, wenn sie nicht ausgewogen bilanziert. "Wer vegan lebt, indem er Fisch, Fleisch und Milchprodukte durch Süßigkeiten und Softdrinks ersetzt, kann schnell Mangelerscheinungen erleiden. Fällt die Milch weg, hat man zu wenig Kalzium, wird Fisch gestrichen, fehlt Vitamin D", erläuterte Dorotka. "Man muss dies durch Nüsse, Samen, Sojamilch, spezielle Tropfen oder genug Sonnenstrahlen kompensieren. Wenn man sich an gewisse Regeln hält, werden Mangelzustände kompensiert." Wer Mangelerscheinungen verhindert, könne genauso gesunde Knochen haben wie ein Allesfresser.

Derzeit ernähren sich allerdings nicht alle Veganer gesund. Eine weitere Studie zeige einen Zusammenhang zwischen Diät und schlechter Knochenqualität bei Kindern und Jugendlichen, sagt der Experte. Auch hier sei es vermehrt zu Ermüdungsbrüchen gekommen, die nicht selten als Wachstumsschmerzen lange undiagnostiziert geblieben seien. Erwachsene wiederum litten häufiger an Osteoporose.

Neben ausreichender Bewegung und frischer Luft empfehlen Orthopäden Vitamin- und Mineralstoff-Beigaben - "aber nicht nach dem Gießkannenprinzip", stellte Dorotka klar. Der Kalziumbedarf sei bei Heranwachsenden hoch, Vitamin-D-Mangel hingegen in der Gesamtbevölkerung verbreitet. Veganer sollten auf eine abwechslungsreiche Lebensmittelzusammenstellung achten, die pflanzliches Eiweiß, Gemüse, Nüsse und Samen beinhalte.