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Al-Nusra gräbt gemäßigten Kräften in Syriens Bürgerkrieg das Wasser ab.
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Rabia. Wenn es Nacht wird, kommen die Schmuggler, die Flüchtlinge - und Al-Kaida. Ein reges Treiben beginnt im Umfeld der Grenze zu Syrien, im Nordwesten Iraks. Hani ist in Badush stationiert. Seit sechs Jahren gehört der 35-Jährige der irakischen Armee an und ist Grenzsoldat. Hani lebt gefährlich. Einen Lkw voll mit TNT hätten sie neulich abgefangen, als dieser illegal über die grüne Grenze von Syrien in den Irak fahren wollte. Der Fahrer wurde verhaftet, der Wagen in die Luft gesprengt. Illegale aus Saudi-Arabien, Pakistan und Jordanien seien ebenfalls aufgebracht worden. Doch momentan laufe die Bewegung eher andersherum.
Er und seine Kollegen seien ja nur zum Schutz der irakischen Grenze da, macht Hani seine Position klar. "Was nach Syrien geht, darauf haben wir keinen Einfluss." Die Amerikaner haben vor ihrem Abzug aus dem Irak die Grenzsoldaten im Anti-Terrorkampf ausgebildet, damit Infiltrationen von Syrien in den Irak gestoppt werden könnten. Jahrelang machten die US-Armee und die irakische Regierung das Regime in Damaskus dafür verantwortlich, den Terror im Irak zu unterstützen.
"Jetzt gehen die Al-Kaida-Kämpfer zurück nach Syrien", weiß Hani. Doch nicht nur Terroristen werden über die Grenze geschleust, auch große Mengen an Waffen und Munition. "Derzeit wird nichts anderes geschmuggelt", berichtet Hani. Während früher auch Zigaretten, Alkohol und andere in Syrien begehrte Waren "zollfrei‘" über die Grenze gebracht wurden, sind es jetzt Kalaschnikows und Pistolen, ja sogar Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten.
Je länger der Bürgerkrieg in Syrien andauert, desto heftiger wird das Treiben an der Grenze. Die schon seit längerem von politischen Beobachtern geäußerten Vermutungen haben sich nun bestätigt. Neben Flüchtlingen und Schmugglern herrscht hier auch ein reger Austausch von Terroristen. Kürzlich gab die syrische Al-Nusra-Front offiziell ihre Verbindung mit Al-Kaida im Irak bekannt. Die Verkündung kam nur wenige Tage, nachdem der Anführer der Terrororganisation, Osama bin Ladens Nachfolger Ayman al-Zawahiri, dazu aufrief, alles zu tun, um aus Syrien einen streng islamischen Staat zu machen. Allerdings schränkte ein Nusra-Sprecher dieses Ziel sogleich ein. Man werde den Kampf gegen Präsident Bashar al-Assad weiterhin "mit Anstand" führen. Die Jihadisten scheinen aus der Erfahrung im Irak gelernt zu haben, wo Al-Kaida mit radikalen Forderungen, brutalen Entführungen und Anschlägen, bei denen immer mehr Zivilisten starben, die Sympathien der Bevölkerung verspielt hatte.
Effiziente Gotteskrieger
Jabhat al-Nusra - Front zur Rettung des syrischen Volkes - hat zum ersten Mal mit einem Video im Jänner 2012 von sich reden gemacht, in dem sie behauptete, hinter vielen Bombenanschlägen zu stecken, die seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien im März 2011 verübt wurden. Laut einem Bericht der britischen Quilliam-Stiftung, die über islamischen Terror forscht, ist Nusra inzwischen zur wichtigsten Rebellengruppe in Syrien aufgestiegen. Allerdings sei sie zahlenmäßig nicht die größte Gruppe. Quilliam attestiert ihr zwischen 5000 und 7000 Mitglieder. Gleichwohl sei Al-Nusra die effizienteste: Über 600 Attacken sollen mittlerweile auf ihr Konto gehen, darunter auch der Anschlag vom Juli 2012, bei dem der halbe Sicherheitsrat von Syriens Machthaber Bashar al-Assad ums Leben kam. Vor allem im Norden Syriens, Richtung Grenze zum Irak, verfüge sie über eine starke Präsenz und sogar Kontrollfunktionen.
Wer die Nusra-Front anführt, bleibt allerdings Spekulation. Der Mann mit der Maske, der selbst seinen engsten Mitarbeitern nie sein wahres Gesicht zeigen soll, wird zuweilen als Iraker ausgegeben, dann wieder als Syrer, der zusammen mit dem getöteten Al-Kaida-Chef im Irak, Mussab al-Sarkawi aus Jordanien, die Organisation im Zweistromland aufgebaut haben soll. Klar scheint allerdings, dass er die Schmuggelrouten zwischen Syrien und dem Irak gut kennt. Denn nicht nur das Führungspersonal, auch die Logistik soll sich Jabhat al-Nusra mit der irakischen Kaida teilen.
Leider habe der Westen noch immer nicht begriffen, dass seine Zurückhaltung gegenüber der Freien Syrischen Armee (FSA) radikal-islamische Gruppen erst starkgemacht habe, kommentiert die Syrien-Expertin Kristin Helberg die Entwicklung. Während die FSA in ihrer Not Mehl verkaufen muss, um an Waffen zu kommen, kauft die bestens finanzierte Al-Kaida-nahe Nusra-Front dieses Mehl auf, backt damit Brot und verteilt dieses an die Bevölkerung. Zwar begegnen selbst die Bewohner von Syriens konservativsten sunnitischen Regionen um Aleppo und Idlib den Jihadisten skeptisch, aber finanziell seien diese der FSA schon jetzt überlegen.

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