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Verbund: Mehr Gewinn durch Auslandsgeschäft

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Die Landesstromgesellschaften kaufen immer weniger bei Österreichs größtem Stromerzeuger - vor drei Jahren wurden noch um 55% mehr Kilowattstunden beim Verbund geordert als zuletzt. Der leidet aber nicht darunter - im Gegenteil: Mit einem Auslandsgeschäftsanteil von bald 60% bilanzierte der heimische Wasserkraftkonzern jetzt sein "bestes Halbjahr aller Zeiten" mit einer Ergebnissteigerung um gut 30%.


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Die nächsten Rekorde werden nicht lange auf sich warten lassen: Die Preise ziehen weiter an - teures Öl, teures Gas, teure Kohle, aber auch knappere Kapazitäten undunerwartet hohe Preise fürdie neuerdings gehandelten Co2 -Emis sionszertifikate treiben die Stromerzeugungskosten europaweit in die Höhe. Und das wiederum bedeutet, "dass wir mit unseren sinkenden Wasserkraftgestehungskosten im Markt vergleichsweise einer der am besten positionierten Versorger Europas sind", resümiert Verbund-Finanzchef Georg Pistauer zufrieden. Nur mehr etwas über 40% der gesamten Stromerlöse werden im Inland lukriert, der deutsche Markt ist schon genauso bedeutend, in Italien, Frankreich und Slowenien verzeichnet man zweistellige Wachstumsraten - und erzielt bessere Preise pro Kilowattstunde (kWh).

Aber auch in Österreich will man "die Kunden holen", kündigt Vorstandschef Hans Haider an. Seit 1. Juli ist der Verbund im Endkundenmarkt tätig - "das Interesse ist enorm", so Vertriebsvorstand Hannes Sereinig. "Das völlig unverständliche Gezeter" einiger Landesgesellschaften und -hauptleute über angebliche Dumpingpreise "treibt uns die Leute in Scharen zu", registriert Haider durchaus amüsiert. "Es stimmt einfach nicht, dass wir an unsere Direktkunden billiger liefern als an die Landesversorger, aber unser Preis für Haushalte, Klein- und Mittelbetriebe sowie das Gewerbe ist mit 3,87 bis 4,3 Cent je kWh sehr attraktiv." Bis 2010 will man im Endkundenbereich insgesamt 10.000 Gigawattstunden pro Jahr absetzen, die Hälfte davon in Österreich - das wäre dann ein gutes Drittel der Gesamtproduktion.

Nachdem in der vergangenen Dekade die Zahl der Konzernmitarbeiter um gut 60% reduziert und vergleichsweise wenig investiert wurde, ist für die kommenden Jahre ein Investitionsprogramm von 1,4 Mrd. Euro in Arbeit. 400 Millionen davon sollen in den "besonders dringenden" Leitungsbau fließen - der Lückenschluss im 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz zwischen den Umspannwerken Südburgenland und Kainachtal und der "Salzachbügel" zwischen Ranshofen und Kaprun allen voran. "Das Netz ist für die Versorgungssicherheit das Allerwichtigste" betont Haider und hofft, bis Ende des Jahres einen rechtsgültigen Bescheid für den Bau der Steiermark-Leitung zu bekommen - derzeit prüft der Umweltsenat 152 Einsprüche.

Ebenfalls 400 Mio. Euro wird das in Mellach bei Graz geplante 800-Megawatt-Gaskraftwerk kosten, das die Kapazitäten der stillgelegten Kraftwerke Zeltweg und St. Ändrä sowie der im Auslaufen befindlichen Anlagen in Voitsberg und Korneuburg ersetzen muss.

Verbundgrafik APA Gut 3.000 Megawatt Kraftwerksleistung werden laut eine Studie der Technischen Universität Wien in Österreich bis 2015 benötigt. Um etwa die Hälfte dieser Kapazität bereitstellen zu können, sollen die restlichen rund 600 Mio. Euro in Wasserkraftprojekte wie Limberg II - wo ein Kavernenkraftwerk zwischen den beiden Kapruner Speicherseen zusätzlich 480 MW bringen soll - und Anlagen wie Gerlos II und Oberer Inn sowie auch in Kleinwasserkraftanlagen wie an der Nußdorfer Schleuse in Wien oder in Leoben, investiert werden.

Für das Gesamtjahr 2005 prognostiziert der Verbundvorstand vorsichtig "mindestens 25%" Ergebnisplus, die Dividende sollte in gleichem Ausmaß angehoben werden.

Zum Thema "Österreichische Stromlösung" (ÖSL) bleibt Haider hart: "In der ursprünglichen Form kommt sie nicht in Frage". Die Synergien seien auf Grund der geänderten Marktbedingungen viel zu gering.

Der Verbund wolle sich keinesfalls "Fesseln anlegen" lassen, die ihn im Auslandsgeschäft behindern, so Haider. Man habe einen "fairen Vorschlag" zu einer "Stromlösung 05" unterbreitet - die einzige Möglichkeit, wenigstens noch einige Synergien und gleichzeitig Wettbewerb zu realisieren. "Wenn ich die EnergieAllianz wäre, würde ich das Angebot annehmen". EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich Linz AG und Bewag könnten dann immer noch enorme Vorteile aus der gemeinsamen Kraftwerkssteuerung und dem gemeinsamen Einkauf ziehen.