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General soll Putsch in Laos geplant haben. | Wien/Sacramento/Vientiane. Ein Prozess in den USA wirft lange Schatten: Es geht um eine Anklage wegen einer angeblichen Verschwörung gegen das heutige kommunistische Regime in Laos, doch reicht die Geschichte bis in den Vietnamkrieg zurück.
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Der aus Laos stammende Vang Pao und zehn Mitverschwörer mussten sich diese Woche einem Bundesgerichtshof in Sacramento stellen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, dass sie Gewehre, Granaten und Boden-Luft-Raketen illegal anschaffen wollten. Mit den Waffen sollten angeblich Aufständische in dem Sechs-Millionen-Einwohner-Staat Laos versorgt werden, um Regierungsgebäude in der Hauptstadt Vientiane dem Erdboden gleich zu machen.
Vang Pao, der als der Kopf der Verschwörung gilt, und seine Kumpane sind nun wegen Verstoß gegen die Neutralität angeklagt. Man dulde nicht, dass die USA als Boden für Umsturzversuche im Ausland dienen, hieß es bei der Verhaftung Vang Paos aus US-Regierungskreisen.
Die Ironie an der Geschichte: Vang Pao war früher ein Verbündeter der USA, den diese zum Kampf gegen asiatische Kommunisten angeheuert hatten. Das war in den 1960er und 70er Jahren zu Zeiten des Vietnamkriegs, der auch in Laos fürchterlich wütete. Das Nachbarland diente den Vietnamesen als Rückzugs- und Versorgungsgebiet. Mit ihnen verbündet war eine kommunistische laotische Guerilla, die die royalistische Regierung bekämpfte. Die US-Armee setzte gegen ihre Gegner Flächenbombardements ein. Auf das kleine asiatische Land gingen nicht weniger als zweieinhalb Tonnen Bomben nieder - und das pro Kopf.
Für die zermürbenden Dschungelkämpfe im offiziell neutralen Laos rekrutierten die USA aber Einheimische. Diese entstammten der Ethnie der Hmong, einer Minderheit aus den Bergen. Und der Anführer dieser etwa 50.000 Mann starken Einheiten war der nun angeklagte Vang Pao, der skrupellose Hmong-General, der die Kommunisten nicht ausstehen konnte.
Guerilla-Kampf
Aber auch Laos fiel 1975, kurz nach Südvietnam, den Kommunisten in die Hände. Gemeinsam mit CIA-Mitarbeitern wurde Vang Pao in letzter Sekunde ausgeflogen. Seine Soldaten und ihre Familien hatten weniger Glück: Tausende Hmong, die sich nach Thailand zu retten versuchten, starben auf der Flucht vor den vorrückenden kommunistischen Einheiten.
Eine Handvoll Hmong setzte allerdings den Guerilla-Kampf fort. Bis heute hat dieser Ausläufer des Vietnamkriegs kein Ende gefunden. Während nach einer Marktöffnung immer mehr Investoren nach Vientiane strömen und die Hauptstadt langsam modernisiert wird, liefern sich in den unzulänglichen, völlig verarmten Bergregionen im Norden von Laos die Hmong-Einheiten immer wieder blutige Scharmützel mit der Armee. Jahrzehntelang soll Vang Pao diesen Guerillakrieg von den USA aus koordiniert haben. Nun steht er deshalb vor Gericht.
Die Regierung von Laos begrüßte das Vorgehen gegen Vang Pao. Wurde Laos während des Kalten Krieges von den USA noch geächtet, haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern inzwischen stark verbessert.
Die Verteidiger von Vang Pao und seinen Mitstreitern verlangen eine Aufhebung des Verfahrens. Sie argumentieren, dass nicht die Angeklagten die angebliche Verschwörung vorangetrieben hätten, sondern ein eingeschleuster Agent. Das Gericht in Sacramento hat vorerst seine Entscheidung vertagt.
Der Beschluss löste bei Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude Enttäuschung aus. Etwa 5000 in den USA lebenden Hmongs hatten lautstark ihre Unterstützung für Vang Pao bekundet und eine Einstellung des Verfahrens gefordert. Für viele Hmongs ist der General ein Held. Dies hat nicht nur mit dem Krieger Vang Pao zu tun. Er setzte sich jahrzehntelang dafür ein, dass Hmongs in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten.
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