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Vererbbarkeit von Armut durchbrechen

Von Petra Tempfer

Politik

Sozialindex soll bestimmen, wie viel Mittel Schulen zugewiesen werden.


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Wien. 134.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind "manifest arm" - das bedeutet, dass sie nicht genug zu essen haben und im Winter in schlecht geheizten Räumen leben. Ihre Eltern verdienen wenig, sie wohnen in sozial benachteiligten Vierteln - und gehen in suboptimal ausgestattete Schulen. Derzeit weisen 11 Prozent der Volks-, 17 Prozent der Hauptschulen und 2 Prozent der AHS eine hohe soziale Benachteiligung auf. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, soll ein neuer Sozialindex die Mittelzuweisung an Schulen bestimmen - zumindest, wenn es nach der Armutskonferenz (ein Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung) geht.

Mithilfe des Soziologen Johann Bacher von der Uni Linz entwickelte sie einen Index, der sich am Bildungsstand und der beruflichen Position der Eltern sowie dem etwaigen Migrationshintergrund und der Umgangssprache der Schüler orientiert. "Trifft einer der Punkte zu, soll die Schule um je 25 Prozent mehr Mittel für den jeweiligen Schüler erhalten", präzisierte Bacher am Dienstag. Werden alle vier Kriterien erfüllt, seien es somit um 100 Prozent mehr. Darüber, wie die Schulen die Mittel einsetzen, sollen diese laut Bacher einen Plan erstellen, der von Schulpartnern und -erhaltern abgesegnet werden muss.

Wesentlich dabei: der Ausbau der Ganztagsschulen, in denen laut Bacher soziale Kompetenzen der Kinder gefördert werden. Ziel sei, gewisse Schulstandorte für Eltern mit mittleren und höheren Einkommen attraktiver zu machen - und damit die Vererbbarkeit von Armut zu reduzieren.

Der Nationale Bildungsbericht, der für Politik und Verwaltung als Steuerungswissen dienen soll, beschäftigt sich bereits mit der Frage der Chancengleichheit. Auch im internationalen Vergleich wäre ein Sozialindex kein Neuland: Die Niederlande, das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen und Teile der Schweiz bedienen sich ähnlicher Modelle.