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Wien - Es gibt schwarze und weiße Simbabwer: Die wenigen Weißen besitzen einen großen Teil des fruchtbaren Bodens, die vielen Schwarzen hungern nach Land. Seit den 80er Jahren stritten sie um und einigten sich schließlich auf eine Landreform. Die Weißen willigten gegen Entschädigung in Enteignungen ein. In der Theorie eine gütliche Einigung, in der Praxis jetzt eine Katastrophe. Doch abgesehen davon wurde eine Gruppe vollkommen vergessen, nämlich die Farmarbeiter. Warum? - Sie sind keine Simbabwer.
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Der Entwicklungshelfer Hubertus von Lindeiner vom FCTZ (Farm Community Trust of Zimbabwe), der sich seit 1997 um die Farmarbeiter kümmert, erzählt:
Im Jahre 1900 lebten in Südrhodesien, dem politischen Gebilde des Pfarrersohns, Abenteurers und Minenmilliardärs Cecil Rhodes, 250.000 Menschen. Heute hat Simbabwe über 10 Millionen Einwohner.
In zwei Einwanderungswellen erschlossen die Europäer das Land der Schona und entwickelten es mit technischen und wissenschaftlichen Mitteln zu der Kornkammer und dem Garten, das es heute ist. 4.000 weiße Farmer erzeugen darauf, hauptsächlich mit Mais und Hirse, die Ernährungsgrundlage des Landes und erwirtschaften mit Tabak und Schnittblumen fast die Hälfte aller Deviseneinnahmen Simbabwes.
Die Schona und Ndebele pflogen in den Sawannen und Waldsawannen extensive Viehzucht und traditionellen Wanderackerbau - mehr gaben die Böden nicht her. Von Lindeiner nennt es, neben der vorenthaltenen Landreform, eines der größten Versäumnisse der britischen Kolonialherrschaft, dass sie die Afrikaner nicht in den Fortschritt der landwirtschaftlichen Methoden - wie etwa künstliche Bewässerung durch Tiefbohrungen - mit einbezogen hat. Nicht zuletzt sei darum der Unabhängigkeitskampf der Afrikaner, bei aller Freiheitsliebe, um Landbesitz geführt worden.
So hielten die Simbabwer an ihren traditionellen Landwirtschaftsmethoden fest; auch wollten sie schon gar keine "Sklavenarbeit" bei den weißen Siedlern machen. Darum wurden Arbeiter für die Farmen in Sambia, Malawi und Mosambik angeworben. Die heute etwa 300.000 Landarbeiter (mit ihren Familien stellen sie gut 15 Prozent der Gesamtbevölkerung) sind Gastarbeiter, oft schon in der dritten Generation. Obwohl viele von ihnen die Staatsbürgerschaft annahmen, fielen sie mit der Unabhängigkeit 1980 auf die tiefste soziale Stufe. "Die Hunde der Weißen" werden sie von den schwarzen Simbabwern genannt. Und seit Präsident Robert Mugabe mit dem heiklen Thema Landreform in rassistischer Tonlage auf Wählerfang geht, sind sie für die "Jugendbrigaden" - plündernde städtische Horden, die im Auftrag der Kriegsveteranen willkürlich Farmen besetzen - zum beliebtesten Opfer geworden. Noch vor den weißen Grundbesitzern. Hunderte von ihnen wurden seit dem heißen Parlamentswahlkampf 2000 getötet, neben 10 Weißen. Nach Mugabes manipuliertem Wahlsieg vor drei Wochen, berichtet der Entwicklungshelfer, gingen auf manchen besetzten Farmen die Arbeiterhäuser in Flammen auf, Tabakpflückerinnen wurden vergewaltigt. Aussichtslos, so von Lindeiner, wird es aber erst, wenn die illegale Besetzung nach einigem gerichtlichen Hin und Her anerkannt oder das legale Enteignungsverfahren abgeschlossen ist: Die Farmer haben, auch wenn sie nicht entschädigt werden, meistens noch Geld, um sich anderswo, etwa in den Nachbarstaaten oder in Übersee, eine neue Existenz aufzubauen. Die seit jeher schlecht bezahlten Landarbeiter hingegen bleiben oft übrig. Manchmal werden sie von den neuen Herren übernommen, meistens aber gerade nur geduldet, viele gehen als Tagelöhner auf Wanderschaft, die Verzweifeltsten graben im Busch mit bloßen Händen nach Gold.
Von Mugabe wurde jetzt bekannt, dass er kurz vor Inkrafttreten der "smarten" EU-Sanktionen, die ein Einfrieren der Gelder seiner Machtclique vorsehen, 15 Mill. britische Pfund von Guernsey nach Malaysia verschoben hat.
http://www.kubatana.net/fctz
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