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Verkauf von Familiensilber?

Von Karl Leban

Wirtschaft
Analysten halten es für wahrscheinlich, dass sich A-Tec von der lukrativen Kupferhütte in Brixlegg trennt. Foto: A-Tec

Firmengruppe droht Filetierung. | A-Tec-Börsenkurs taucht in der Spitze um 68 Prozent ab. | Wien. Ein Schuldennachlass von 70 Prozent soll die insolvente A-Tec retten. Mirko Kovats, der die börsenotierte Industriegruppe kontrolliert, will das bei den Gläubigern durchsetzen. Ob ihm das gelingt, ist jedoch alles andere als sicher.


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Die Hauptbetroffenen der Insolvenz, die Anleihengläubiger, sind offenbar nicht bereit, sich abspeisen zu lassen. Ihnen ist die gebotene Mindestquote von 30 Prozent zu mager. Am Freitag haben vor allem Privatanleger Widerstand angemeldet. Der "Verein fairer Kapitalmarkt", eine unabhängige Beratungsstelle für Anlegerfragen, hat daraufhin ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Sobald es vorliegt, soll über weitere Schritte entschieden werden.

Mit rund 300 Millionen Euro entfällt der größte Teil der A-Tec-Schulden auf Anleihen. Da sich nun abzeichnet, dass die Gläubiger eine deutlich höhere Quote wollen, heißt es aus der Finanzbranche: "Ohne den Verkauf werthaltiger Assets wird es wohl nicht gehen." Mit dem Erlös könnte Kovats die Quote "substanziell aufbessern". Und darauf dürften die Gläubiger auch pochen.

Dutzende Unternehmen

Der A-Tec-Gruppe droht damit die Zerschlagung. Kovats Industriekonglomerat umfasst 70 Firmen im In- und Ausland. Anders als die Konzernsparte Anlagenbau (Austrian Energy), die wegen schiefgelaufener Kraftwerksprojekte in Australien hohe Verluste schreibt und Auslöser der Insolvenz war, sind die anderen Sparten - Kleinmotoren (ATB), Metalle (Montanwerke Brixlegg) und Maschinenbau (Emco) - in den schwarzen Zahlen. Analysten halten es vor allem für möglich, dass die lukrative Kupferhütte in Brixlegg (Tirol) verkauft werden könnte.

A-Tec-Chef Kovats berichtet unterdessen von "konstruktiven" Gesprächen mit den Gläubigerbanken - darunter Raiffeisen, Hypo Alpe-Adria, BNP Paribas und Commerzbank. Diese seien "grundsätzlich bereit", den Teilkonzern Austrian Energy weiterhin mit Garantie linien auszustatten und auch mit Liquidität zu versorgen. Kovats will die Verhandlungen bereits kommende Woche abschließen.

Aktienkurs im freien Fall

Ob er für die Sanierung eigenes Geld springen lassen wird, wie dies der Anlegerschützer Wilhelm Rasinger fordert, ist noch unklar. Kovats Privatschatulle scheint jedenfalls gut gefüllt. In den Medien wird ein Vermögen von 200 bis 250 Millionen Euro kolportiert.

An der Wiener Börse ist die A-Tec-Aktie am Freitag nach zwei Tagen Pause wieder gehandelt worden. Zunächst rasselte der Kurs bei hohen Umsätzen um 68 Prozent in den Keller - auf ein Tagestief von 1,85 Euro. Danach stieg er bis auf 3,47 Euro, der Schlusskurs lag bei 2,86 Euro. "Die Zocker sind jetzt am Werk", kommentierte ein Händler.