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Verlockende Bedingungen und gute Chancen für Investitionen in Tunesien

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

Politische und soziale Stabilität garantierten erfolgreiche Investitionen in Tunesien. Dazu komme ein konstantes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4,5% jährlich, erklärte Féthi Merdassi, | Minister für Internationale Zusammenarbeit und Ausländische Investitionen, aus Anlass eines Arbeitsbesuches in Wien am Freitag gegenüber der "Wiener Zeitung".


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Im Rahmen seines Besuches nahm Merdassi an einem Wirtschaftsforum österreichischer und tunesischer Unternehmer in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) teil und traf mit Staatssekretärin

Benita Ferrero-Waldner zusammen.

"Ermunternde Schritte zu demokratischen Strukturen"

Es sei bedauerlich, so die Staatssekretärin, dass Österreichs Exporte nach Tunesien 1999 um 6,5% zurückgegangen seien und die heimischen Exporteure noch zu wenig in Tunesien investierten. Eine

Wirtschaftsmission im Oktober habe aber das rege Interesse heimischer Firmen am tunesischen Markt aufgezeigt, es sei daher mit einer Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen zu rechnen, ist Ferrero-

Waldner überzeugt.

Nach den Wahlen in Tunesien sieht sie "ermunternde Schritte in Richtung Stärkung der demokratischen Strukturen" und verweist in diesem Zusammenhang auf die Ernennung des Wirtschaftsexperten und

langjährigen Ministers für Internationale Zusammenarbeit, Mohamed Ghannouchi, zum Premierminister wie auch auf die angekündigten Reformen von Wahlrecht und Pressegesetz.

Merdassi betonte, Tunesien sei immer international aufgeschlossen gewesen. Besonderes Augenmerk lege die Regierung auf Bildung, ein Nationalfonds unterstütze die allgemeine Schulpflicht inklusive

Fremdsprachenunterricht auch in entlegenen Landesteilen. Ein Problem stelle allerdings die aufkommende Akademikerarbeitslosigkeit dar; der freie Bildungszugang für alle habe zu einer

Explosion der StudentInnenzahlen von 5.000 im Jahr 1965 zu heuer 200.000 geführt.

Für den sozialen Frieden im Land sei auch die Lohnpolitik ausschlaggebend. "Im sozialen Dialog" zwischen Arbeitgebern und -nehmern sowie der Verwaltung würden alle drei Jahre inflationsadäquate

Lohnanpassungen vorgenommen, betont Merdassi die Zielrichtung der Reformen auf europäische Standards in Abgrenzung etwa zu asiatischen Billiglohnländern.

Investitionsgesetz fördert Industrieaufschwung

Es gebe "viele gute Gründe" für Investitionen in Tunesien, sagt der Minister, die insgesamt 1.850 ausländische Unternehmen · davon derzeit 10 österreichische · bereits ins Land gebracht hätten.

Bis zu 90% der ausländischen Investitionen beträfen den Industriesektor, und dabei vor allem die Branchen Textil und Elektronik, aber auch Kfz-Zulieferungen.

190 ausländische Unternehmen wären in Tourismus-Joint-Ventures aktiv. Immerhin locken das gute Klima und die landschaftlichen Reize 5 Millionen Touristen pro Jahr ins Land. 1999 sei bis jetzt mit

150.000 (nach 115.000 in der Vorjahresperiode) eine Rekordzahl an österreichischen Gästen in Tunesien zu verzeichnen, berichtet Ferrero-Waldner.

Zu Privatisierungen habe man einen "progressiven und pragmatischen Zugang", erklärt Merdassi, "das muss sich einfach lohnen". Im nächsten Jahr soll erstmals ein Kraftwerk mit ausländischen

Partnern gebaut werden · "eine gute Chance für österreichische Unternehmen, die besonders in diesem Sektor wie auch in den Bereichen Umwelttechnologie und Wasserwirtschaft einen hervorragenden Ruf

genießen", streut der Minister Komplimente.

Als erstes Land im Mittelmeerraum habe Tunesien 1995 ein Assoziationsabkommen mit der EU unterzeichnet, das seit März 1998 ratifiziert sei. Zudem bestünden zwischen Österreich und Tunesien ein

Investitionsschutz- und ein Doppelbesteuerungsabkommen. Dazu komme die generell "transparente Politik" Tunesiens zur Investitionsförderung. Auf Basis der Kriterien Arbeitsplatzschaffung,

regionale Exportentwicklung und Technologietransfer würden ausländische Investitionen per Gesetz gefördert und mittels Zoll- und Steuererleichterungen unterstützt. All diese Faktoren würden seine

Hoffnung auf Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich stützen, so Merdassi.

Interesse an Österreich auf höchster Ebene

Auch Staatpräsident Zine El Abidine Ben Ali schätze die traditionell hervorragenden Beziehungen zu Österreich und habe ausdrücklich sein Interesse an einer Vertiefung der bilateralen

Zusammenarbeit betont, berichtete der tunesische Botschafter in Wien, Abdelaziz Chaabane. Informationen für Investitionsinteressierte bietet die bei der Tunesischen Botschaft erhältliche Broschüre

"Tunesien, Land der Erfolgschancen".