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Verloren im Parlament

Von Christoph Rella

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Wenn Präsident Wladimir Putin am Mittwoch die erste Sitzung des neu gewählten Parlaments in Moskau eröffnet, so werden die Augen nicht nur auf ihn, sondern auch auf die Stars, die ab nun die Duma bevölkern, gerichtet sein. Dass dort auch einige Sportstars Platz nehmen werden, wundert da nicht - mehr schon ihr Motiv. Und das reicht von Pflichtgefühl über Langeweile bis zu Geltungsdrang, wie etwa das Beispiel des russischen Ex-Tennisstars Marat Safin zeigt. Er sei der "wohl am besten aussehende Mann in der Duma", sagt er gerne über sich. Politische Ziele oder eine Kampfansage gegen Korruption und Doping wird man von ihm und seinen Abgeordnetenkollegen - darunter Wjatscheslaw Fetissow (Eishockey) oder Anatoli Karpow (Schach) - nicht hören. Ist auch nicht erwünscht.

Wer aber glaubt, Ex-Athleten mit Neigung zur Politik - und seien die Absichten noch so ehrenhaft - hätten es in Österreich leichter, der irrt. Die Schwierigkeit besteht ja weniger darin, ein Programm zu haben und dieses im Sinne des Wählers umzusetzen, als darauf zu achten, sich nicht von einer Partei als Aufputz "verheizen" zu lassen. Eine schöne Karriere als Volksvertreter blüht hier nur den wenigsten, im schlimmsten Fall droht ein peinlicher Abgang, wie die Beispiele des Ski-Rennläufers Patrick Ortlieb (Garagenaffäre), des gedopten Hürdensprinters Elmar Lichtenegger (beide FPÖ) oder der Leichtathletin und SPÖ-Nationalratskandidatin Steffi Graf gezeigt haben. Letztere hatte bei den Landtagswahlen 2009 in Kärnten, nachdem sie sich nicht entscheiden konnte, kurzerhand SPÖ und BZÖ unterstützt. Ein Problem, das Safin und Co. wohl erspart bleiben dürfte.