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Fünf der neun Gebietskrankenkassen sollen heuer ein Minus machen - Verlust von 85 Millionen Euro wird prognostiziert.
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Wien. Der Verlust ist zwar nicht ganz so groß, wie ursprünglich prognostiziert - aber es ist immer noch ein Verlust. Bei einem Budget von insgesamt 17,2 Milliarden Euro rechnen die Krankenkassen für das heurige Jahr mit einem Minus von rund 85 Millionen Euro. Im Vorjahr haben die Kassen noch ein Plus von 88 Millionen Euro geschrieben. Die aktuelle Prognose des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger fällt etwas besser aus als noch im Sommer, als von einem Verlust von 129 Millionen Euro die Rede war. Gründe für den nun etwas positiveren Ausblick seien die geringfügig höheren erwarteten Beitragseinnahmen und doch ein wenig niedrigeren Ausgaben, hieß es am Montag vom Hauptverband.
Ausgaben für Medikamente geringer als früher erwartet
Im August hatte man bei den Beitragseinnahmen noch mit einer Steigerung von 3,5 Prozent gerechnet, im November waren es dann allerdings 3,6 Prozent. Die Medikamentenausgaben korrigierte man hinunter, und zwar von im August prognostizierten 7,2 Prozent auf 6,4 Prozent. "Wir haben diese Tendenz schon im Frühjahr vorausgesagt", sagt dazu Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbandes der pharmazeutischen Industrie (Pharmig). "Bis Jahresende rechnen wir mit einem Plus von maximal 5,5 Prozent für das gesamte Jahr." Dieses resultiere daraus, dass aufgrund der zunehmenden Bedeutung von medizinischer Innovation und Forschung der Anteil der Ausgaben für hochpreisige, hochwirksame Medikamente wächst. Ein Beispiel ist das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi, dem eine Heilungschance von 90 Prozent nachgesagt wird, das aber pro Behandlung bis zu 150.000 Euro kostet.
Von feinen Prognose-Nuancen abgesehen - Tatsache ist, dass fünf der neun Gebietskrankenkassen (GKK) heuer ein Minus schreiben sollen. Das größte wird für die Wiener GKK erwartet. Ausgeglichen bilanzieren sollen die GKK Burgenland und Steiermark. Bei den "reicheren" Kassen, den Berufskrankenkassen, soll einzig die BVA (Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter) mit minus 29,2 Millionen Euro rote Zahlen schreiben.
Ein Hauptgrund für die Verluste sind freilich die Medikamentenpreise - aber nicht nur. Auch die steigende Arbeitslosigkeit und die Zunahme der Zahl der Teilzeitarbeiter und Pensionisten spielen eine wesentliche Rolle. Betrachtet man zum Beispiel die Situation in Wien, so sind hier laut Leo Chini, Leiter des Forschungsinstitutes für Freie Berufe an der WU Wien, nur rund 660.000 Personen der 1,2 Millionen direkt Versicherten erwerbstätig. Etwa 350.000 sind Pensionisten, 120.000 sind arbeitslos. Pensionisten zahlen reduzierte Beiträge, womit sie laut Chini nur 40 Prozent der von ihnen verursachten Kosten decken.
Die Prognosen für die Krankenkassen rutschen aber auch deswegen ins Minus, weil der Strukturfonds, der 2010 rund 100 Millionen Euro und 2011 bis 2014 jährlich 40 Millionen Euro zugeschossen hatte, heuer im Gegenzug für die Gratiszahnspange für Kinder und Jugendliche aufgelöst wurde. Der Strukturfonds war eines jener Instrumente, das die Sanierung der Krankenkassen vorangetrieben hatte. Wenn die Krankenkassen bestimmte, ihnen vorgegebene Finanzziele erreichten, erhielten sie Geld. Ab 2016 wird es zwar wieder einen Strukturfonds geben, mit 10 Millionen Euro jährlich ist die Dotierung aber künftig deutlich geringer als früher.
Mehrwertsteuer: Seit heuer wird exakt abgerechnet
Ein weiteres Kapitel im Krankenkassen-Drama ist der Mehrwertsteuer gewidmet. 2009 wurde die Mehrwertsteuer auf Medikamente auf zehn Prozent gesenkt. Die Kassen zahlten damals den Bruttopreis, den der Bund in Form einer Pauschale vergütete, die trotz Mehrwertsteuer-Senkung unverändert blieb. Die Kassen verdienten dadurch großartig. Seit 2015 wird jedoch exakt abgerechnet - und auch dieses Geld fehlt.

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