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Vermeintlich getäuscht

Von Julia Mathe

Wirtschaft

Der Niedergang der Espirito Santo belastet die Quartalszahlen ihres Großaktionärs Crédit Agricole massiv.


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Paris. Die französische Großbank Crédit Agricole, 15-prozentiger Aktionär der portugiesischen Bank Espirito Santo (BES), wird von den jüngsten Milliardenverlusten des portugiesischen Geldhauses in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der Zahlungsschwierigkeiten der BES schlugen sich Sonderbelastungen über 700 Millionen Euro auf die Bilanz der Crédit Agricole nieder. Diese machten den Gewinn von April bis Juni fast vollständig zunichte. Übrig bleibt ein Quartalsplus von 17 Millionen Euro, was einem 98-prozentigen Gewinneinbruch im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Schon seit den 1990er Jahren ist die drittgrößte Bank Frankreichs an der BES beteiligt, die nun mit einer Finanzspritze in Höhe von 5 Milliarden gestützt werden musste. Bis Ende 2013 stellten die Franzosen dort sogar fünf Mitglieder des Verwaltungsrats. Jean-Paul Chifflet, Vorstandschef der Crédit Agricole, hatte eigentlich eine langjährige Partnerschaft mit der BES geplant, um gemeinsam die größte Privatbank Portugals zu gründen. Nun fühlt er sich von der Eigentümerfamilie Espirito Santo hintergangen. Noch Ende Juni soll die portugiesische Bank der Eigentümerfamilie finanziell unter die Arme gegriffen haben - zu einem Zeitpunkt, als das Geldhaus schon längst auf wackeligen Beinen gestanden hatte. Crédit Agricole wird nun zur juristischen Aufklärung dieser Geschäfte beitragen. Von der neuen BES-Führung wurde bereits ein Verfahren eingeleitet. Doch lässt man diese außergewöhnlichen Belastungen außer Betracht, konnte Crédit Agricole ihren Überschuss überraschenderweise von 685 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,003 Milliarden Euro ausbauen. Daher trug das Vertrauen der Investoren in Crédit Agricole keinen spürbaren Schaden davontragen. Im Gegenteil: Die Aktie stieg gestern um bis zu 6,6 Prozent und war damit Spitzenreiter im Pariser Auswahlindex CAC40. Die um Espirito Santo bereinigten Ergebnisse würden davon zeugen, dass der Bank ausreichend Kapital unterliege, sagte Omar Fall, Londoner Analyst bei Jefferies International, zu Bloomberg.

Aber auch die USA bereiten der Genossenschaftsbank Sorgen. Dort drohen ihr Strafen, da es von amerikanischer Seite aus heißt, sie habe Sanktionen gegen Staaten wie den Iran nicht eingehalten. Laut Chifflet habe sie aber im Vergleich zu anderen Staaten nur wenige Dollar-Transaktionen abgewickelt. Die Konkurrenzbank BNP Paribas beispielsweise musste aufgrund dessen zuletzt eine Rekordstrafe von knapp neun Milliarden Dollar hinnehmen. EU-weit werden diese Strafzahlungen scharf kritisiert, man befürchtet eine Schwächung des europäischen Finanzsystems durch die USA.