)
"Geistige Freiheit", Verantwortung statt "archaischer Gesellschaft", dazu die ostentative Unterstützung für Demokratie und Menschenrechte: Besonders in westlichen Ohren mögen die Worte Dmitri Medwedews gut geklungen haben. "Erstmals in der russischen Geschichte" will der Präsident Russland auf Grundlage demokratischer Werte modernisieren.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Doch viele Beobachter hegen ihre Zweifel. Zu oft schon sind den Ankündigungen Medwedews keine entsprechenden Taten gefolgt: So hat sich an der prekären Situation von Menschenrechtlern in Russlands nichts zum Positiven gewandelt. Zudem mag Medwedews Botschaft für russische Ohren eher altbekannt als völlig neu geklungen haben: Dass der jeweilige Herrscher die Rückständigkeit des Landes geißelt und seine Untertanen zur Modernisierung antreibt, ist seit Peter dem Großen ein stetig wiederkehrendes Motiv. Im Fokus stand dabei die Stärkung der Staatsmacht, der sich der Einzelne im Zweifelsfall unterzuordnen hatte. Die Aussichten auf einen von oben animierten demokratischen Wandel unter Beibehaltung russischer Großmachtpolitik stehen deshalb eher schlecht - Demokratie wird in Russland seit den Jelzin-Jahren ohnehin meist mit Chaos assoziiert.
)
)
)
)