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Österreich hat viele in Nischen tätige Firmen, die Weltmarktführer sind.
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Alpbach. Ob zur Vermessung der Gletscher in Grönland oder der mehr als 4000 Jahre alten Cheops-Pyramide: Zum Einsatz kommt Technik "made in Austria". Die Firma Riegl aus Horn im Waldviertel hat sich auf 3D-Laserscanner und Vermessungsscanner spezialisiert - und ihre Produkte sind weltweit gefragt. Etwa bei der US-Weltraumbehörde Nasa. Flugzeuge, die mit Sensoren von Riegl ausgestattet sind, überfliegen die Berge Kaliforniens, um die Höhe der Schneedecke zu messen. Für die Behörden eine essenzielle Information, denn das Trinkwasser der San Francisco Bay speist sich laut Nasa zu 75 bis 80 Prozent von der Schneeschmelze. Der "Golden State" leidet besonders häufig unter Dürren und Trinkwasserknappheit. Dann müssen Städte und Gemeinden ihren Wasserverbrauch um ein Viertel reduzieren. "Dank der Messungen können die Behörden besser vorhersagen, wann wieder eine Dürre zu erwarten ist", sagt Marketingchef Johannes Riegl zur "Wiener Zeitung".
Sein Vater hat das Unternehmen für zivile Lasermesstechnik 1978 gegründet. Heute zählt Riegl zu den weltweit führenden Herstellern von Laser-Vermessungstechnik. Doch in der breiten Öffentlichkeit fällt der Name Riegl selten - ein Merkmal, das sogenannte Hidden Champions kennzeichnet. Rund 160 dieser "versteckten" Weltmarktführer gibt es in Österreich. "Wir haben hierzulande 19,5 Hidden Champions pro eine Million Einwohner. Damit haben wir Deutschland überholt", sagt Thomas Haller von Simon-Kucher & Partners bei den Wirtschaftsgesprächen beim Europäischen Forum Alpbach. Von Seilbahnen bis zu mundgeblasenen Weingläsern - heimische Klein- und Mittelbetriebe sind in zahlreichen Sparten Weltspitze. Das Erfolgsrezept seien Innovation und Kundennähe. Die kleineren Strukturen und flacheren Hierarchien sind ein Vorteil gegenüber großen Unternehmen, deren Erneuerungswille häufig in bürokratischem Gewirr steckenbleibt.
Fünfmal so viele Patente wie Großunternehmen
Der Erfolg von Hidden Champions lässt sich aber auch an anderen Zahlen ablesen. Während "normale" Firmen rund drei Prozent ihres Budgets für Forschung ausgeben, investieren Hidden Champions im Durchschnitt das Doppelte. Ein krasses Gefälle gibt es beim Schutz des geistigen Eigentums: Pro tausend Mitarbeiter melden die spezialisierten Unternehmen 31 Patente an, Großunternehmen in der Regel nur sechs. Die Firma Riegl hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 60 nationale und internationale Patente angemeldet.
Um an die Weltspitze zu gelangen, müssen sich die Unternehmen auch rasch Märkte abseits von Österreich sichern. "Vom österreichischen Markt alleine könnten wir nicht leben", sagt Josef Karner, Chef von Zalto. Der Gmündner Gläserhersteller wurde kürzlich vom "Wall Street Journal" als "Hidden Hero" ausgezeichnet. Laut Karner hat man den Kufsteiner Konkurrenten Riedel überholt und sei nun Weltmarktführer bei mundgeblasenen Gläsern, und das in nur zehn Jahren Firmengeschichte. 90 Prozent der Gläser gehen in den Export. Auch das zeichnet Hidden Champions aus.
Das FBI setzt auf Technik aus Horn
Bei Riegl macht der Anteil der Auslandsverkäufe sogar 98,5 Prozent aus. Vor allem die USA, China und den EU-Raum beliefert die Firma aus Horn mit ihren 170 Mitarbeitern. Die Technik für Nasa und Co. hat einen stolzen Preis: Zwischen 100.000 und einer Million Euro kosten die Sensoren von Riegl. 2015 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 50 Millionen Euro. Neben Vermessungen ganzer Land- oder Küstenstriche spielt die Technik auch bei den Sicherheitsbehörden eine Rolle. Unfallorte können innerhalb weniger Minuten millimetergenau vermessen werden. Dadurch können Straßen schneller freigeräumt werden, der Verkehr fließt schneller wieder und die Unfälle verursachen weniger Kosten. Zu den Kunden von Riegl zählen etwa die US-Bundespolizei FBI, die Metropolitan Police in Großbritannien oder die Kantonspolizei von Zürich
Eine weitere wichtige Rolle bei Hidden Champions spielen auch die Mitarbeiter. Von 132 ausgewählten Firmen werden laut dem Wirtschaftsexperten Haller mehr als die Hälfte noch von der Gründerfamilie geführt. Führungskräfte haben eine durchschnittliche Verweildauer von 20 Jahren und mehr. Bei Großkonzernen wechseln die Spitzenkräfte hingegen rund alle sechs Jahre. Dennoch haben Hidden Champions Schwierigkeiten, die Talente in kleine, abgelegene Orte zu locken. Das bestätigt auch Riegl: "Jüngere Mitarbeiter sind tendenziell urbaner, das ist ein kleiner Nachteil."
Die Zukunft für Hidden Champions in Österreich sieht rosig aus. Simon-Kucher & Partners haben gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien eine Studie zur Krisensicherheit von Hidden Champions durchgeführt. "Diese Unternehmen sehen tendenziell mehr Chancen in technologischen Veränderungen, sie sind offener für neue Ideen und arbeiten enger mit Universitäten zusammen", so Haller. Vergleichbaren Firmen seien sie deshalb immer einen Schritt voraus.
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