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Videobeweis im Fußball ante portas

Von Christian Mayr

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Für Fußball-Traditionalisten und Technik-Puristen dürfte der 5.März als eine Art "schwarzer Samstag" in die Geschichte eingehen: Denn was vor ein paar Jahren noch als höchst unwahrscheinlich klassifiziert wurde, weil jede noch so absurde Schiedsrichter-Fehlentscheidung als quasi unumstößliches Gottesurteil (Fachterminus: Tatsachenentscheidung) gegolten hat, könnte nun bald Realität werden: der Videobeweis. Allem Anschein nach dürften sich die ziemlich strengen Regelhüter des Sports, das International Football Association Board (Ifab), in Cardiff für zumindest einen Testbetrieb in ausgewählten Ligen erweichen lassen. Und das ist längst überfällig. Denn so wie während des Spiels mittlerweile ausgetauscht werden darf und der Rückpass zum Tormann verboten ist, genauso wird auch diese Regelnovelle dem Spiel guttun. Denn nein, krasse Fehlentscheidungen haben dem Spiel noch nie gutgetan und sollen daher auch nicht zum Fußball gehören - sie verstärken immer nur den Hass auf den vormals "schwarzen Mann", der in Zeiten von Wettskandalen gar nicht mehr aus dem Verdächtigtwerden herauskommt, und beflügeln natürlich den Zorn auf den Gegner, der nur mit fremder Hilfe reüssieren könne. Vom neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino abwärts begrüßen praktisch alle eine Testphase, in der es vor allem darum gehen soll, den Videobeweis sanft ins Spiel zu integrieren - oder wie Infantino sagte, "den Fluss des Spiels zu garantieren". Das ist bei der seit zwei Jahren zugelassenen Torlinientechnik schon gut gelungen und wird wohl machbar sein. Und wer schon einmal beim American Football zugesehen hat, weiß auch, dass der Videobeweis nur limitiert eingesetzt werden darf (jedes Team hat eine begrenzte Zahl an Chancen, Spielsituation überprüfen zu lassen) und dass der Video-Referee nur dann anders entscheiden darf, wenn dabei zweifelsfrei das Gegenteil festgestellt wird. Die Tatsachentscheidung stirbt also eh nicht ganz aus.