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Viele Brände, eine Feuerwehr

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

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Nationale Politik kann ganz schön borniert sein, und diese Borniertheit kann zu erheblichen Krisen führen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber derzeit gut zu beobachten. In Deutschland wird die Forderung laut, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) unbedingt am dritten Griechenland-Hilfspaket beteiligen müsse, ein paar CDU/CSU-Abgeordnete bilden sich das ein.

Warum der IWF ausgerechnet jetzt das reiche Europa unterstützen soll, wenn in viel ärmeren Regionen Asiens und Südamerikas der Hut brennt, sagen sie nicht. Denn die meisten wissen es gar nicht, das ist die bittere Wahrheit.

Dass in Österreich die Abgeordneten einer vom global agierenden Unternehmer Frank Stronach gegründeten Partei gegen die Griechenland-Hilfe stimmen, erschließt sich ebenso wenig.

Die wachsenden Probleme in China, die weit über einen Börseabsturz hinausgehen, sowie das einknickende Brasilien (die größte Volkswirtschaft Südamerikas) sind Schlechtwetterboten. "Schwere Gewitterwarnung für die Weltwirtschaft", titelten wir in der Dienstagausgabe der "Wiener Zeitung".

Die Gewitterzellen: In China verliert die bisher allmächtige KP - nach der von ihr verordneten Marktöffnung - zunehmend die Kontrolle über gesellschaftliche Prozesse, wie sich in Tianjin zeigt. Ökonomisch kann dies desaströs sein. Die Yuan-Abwertung lässt zudem andere Länder Asiens im Exportwettbewerb zurückfallen. Russlands Wirtschaft schrumpft, die Ukraine steht vor dem Staatsbankrott.

Der IWF, eine Art finanzielle Welt-Feuerwehr, dürfte also bald ausrücken müssen, und Griechenland gehört nicht zu den größten Bränden. Denn Europa verfügt nach wie vor über Mittel, von denen Asien und Südamerika nur träumen können. Wenn sich der konjunkturelle Abschwung weiter so beschleunigt, steht Europa mit Mini-Wachstum auf hohem Niveau vergleichsweise gut da.

Wenn also nationale Abgeordnete in manchen EU-Ländern nun gegen die Griechenland-Hilfe stimmen, dann haben sie nicht begriffen, dass es um viel mehr geht. Es geht darum, die EU wirtschaftlich am Laufen zu halten, denn die Welt wird ihren kaufkräftigsten Wirtschaftsraum in der nächsten Zeit dringend benötigen. Es klingt ob der hohen Zahl seltsam, aber in diesem globalen Umfeld sind die 86 Milliarden Euro für Griechenland die geringste Sorge.