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Spezielle Tests | erforschen gezielt Auffälligkeiten bei Ungeborenen. | Eltern stehen | dabei freilich vor schwierigen Fragen. | Wien. Die Pränataldiagnostik (PND) ist in den letzten Jahren zu einem fixen und selbstverständlichen Bestandteil der medizinischen Schwangerenbetreuung geworden. So wird mittels spezieller Untersuchungsverfahren gezielt nach Auffälligkeiten beim Kind gesucht, die auf Krankheiten, Behinderungen oder Fehlbildungen hinweisen.
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Das Angebot der PND beginnt bei den routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen, führt über Screenings wie Nackenfaltenmessung, Combined Test, Triple Test bis hin zu Chorionzottenbiopsie (Plazentabiopsie) und Amniozentese (Fruchtwasserpunktion). Obwohl etwa 95 Prozent der Untersuchungen unauffällige Befunde ergeben, sind sie keinesfalls eine Garantie für ein gesundes Kind.
Positivbefund: Weitreichende Entscheidung
Für jene werdenden Eltern jedoch, die bei der Nackenfaltenmessung oder dem Combined Test - das Ergebnis ist eine Wahrscheinlichkeitsberechnung - mit Auffälligkeiten konfrontiert werden, "stellen diese scheinbar harmlosen Routineuntersuchungen zumeist das Einfallstor in die weiterführende Pränataldiagnostik dar", betont die Heilpädagogin Andrea Strachota, die in ihrem jüngst erschienenen Buch "Zwischen Bangen und Hoffen" Frauen und Männer über ihre Erfahrungen mit PND berichten lässt. Nur per Plazentabiopsie oder Fruchtwasserpunktion lassen sich die Verdachtsmomente zu 99 Prozent eindeutig diagnostisch abklären. Ein positiver Befund erzwingt von den schwangeren Frauen bzw. Paaren eine Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Schwangerschaft, also über Leben oder Tod des Kindes, wenn die diagnostizierte Krankheit als schwerwiegend gilt und keine Therapiemöglichkeit besteht. Ab der 12. bzw. 13. Schwangerschaftswoche bedeutet dies das Einleiten einer Geburt.
Möglichkeiten für die Medizin
Im Rahmen des Symposiums "Ver(un)sicherte Schwangerschaft. Pränatale Diagnostik zwischen Hoffen und Bangen" beschäftigten sich vergangene Woche Experten vor allem mit der ethischen Problematik der PND. Denn diese erweckt den Anschein der Kontrollierbarkeit von Schwangerschaft und Geburt, der Machbarkeit "gesunder" Kinder sowie der Vermeidbarkeit von Krankheit und Behinderung. - Sehr wohl eröffnet die Pränataldiagnostik aber Möglichkeiten, Störungen der embryonalen und fetalen Entwicklung zu erkennen und durch Früherkennung eine optimale Behandlung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes zu gewährleisten, erklärt die Gynäkologin Barbara Maier, Mitglied der Bioethik-Kommission im Bundeskanzleramt. Auch gilt es, Befürchtungen und Sorgen zu objektivieren und abzubauen sowie Hilfe bei der Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Schwangerschaft zu geben. Somit eröffnet die PND Handlungsspielräume.
Doch weist Maier auch auf den bestehenden sozialen Druck hin, denn "in unserer Gesellschaft wird erwartet, dass Pränataldiagnostik genützt wird". Für Strachota stellt sich hier die Frage, "wie selbstbestimmt kann eine Entscheidung sein, die bereits gesellschaftlich vorentschieden ist". Die Frauen und ihre Partner geraten in eine double-bind Situation. Einerseits haben sie Angst, für ein behindertes Kind verantwortlich gemacht zu werden. Andererseits fürchten sie, für einen Schwangerschaftsabbruch bei einem schwer behinderten Kind moralisch abgewertet zu werden, erklärt Maier.
Angebot ist nicht verpflichtend
"Im neuen Regime der Schwangeren-Vorsorge hat sich die Schwangerschaft in einen Prozess verwandelt, in dem die Frau über neun Monate lang das normgerechte Wachstum ihres Konzeptionsproduktes überprüfen soll und dazu mit den entsprechenden Informationen beliefert wird", kritisiert die Historikerin Barbara Duden, die sich seit langem mit der Geschichte der körperlichen Wahrnehmung beschäftigt. Pränataldiagnostische Untersuchungen sind in Österreich übrigens lediglich ein Angebot und nicht verpflichtend. Die Entscheidung darüber, ob und welche Untersuchungen sie in Anspruch nehmen wollen, liegt immer bei den werdenden Müttern bzw. Eltern.
Eine Entscheidungshilfe dazu will Strachota mit ihrem Buch bieten. 14 Frauen undacht Männer berichten darin, welche Gedanken und Gefühle die pränatale Diagnostik bei ihnen ausgelöst hat. Die Erfahrungsberichte decken ein breites Spektrum des Möglichen ab: Von der Inanspruchnahme der Nackenfaltenmessung mit unauffälligem Ergebnis bis zum Schwangerschaftsabbruch im 8. Monat durch Fetozid (Tötung des Ungeborenen). Das Buch richtet sich aber auch an Professionelle, wie Strachota betont. Die aus den Berichten zu gewinnende Erkenntnis gilt als wichtige Grundlage für die medizi-nische Begleitung und Unterstützung der Betroffenen.
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