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"Viele Schrauben, an denen man drehen kann"

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Die Elektro- und Elektronikindustrie verzeichnet heuer nach Jahren wieder Anzeichen für einen Aufschwung. "Wir haben schwierige Zeiten mit niedrigen Wachstumsraten unter 1% hinter uns. Das waren wir nicht mehr gewöhnt", meint Albert Hochleitner, Obmann des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), am Mittwoch vor Journalisten. Dieses Jahr zeigen wichtige Indikatoren wie Ausrüstungsinvestitionen und Bau aber erstmals wieder positive Tendenzen.


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2003 hatte die Produktion im Elektro- und Elektronikbereich in Österreich das dritte Jahr in Folge abgenommen. Sie war laut FEEI um 4,4% auf 8,8 Mrd. Euro Produktionswert gesunken. "Wir glauben aber, dass der Tiefpunkt durchschritten ist", so Hochleitner. Er geht für 2004 von einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich aus, gibt aber zu bedenken, dass es noch weitere "Schrumpfungen" in der Branche geben werde. - In den ersten drei Monaten diesen Jahres verzeichnete der FEEI jedoch bereits etwa 4% Wachstum und einen annähernd stabilen Beschäftigtenstand, mit einem leichten Plus von etwa 0,5%.

"Es gibt keine Patentlösung bei der Arbeitszeit"

Zur Diskussion um den Sinn einer Arbeitszeitverlängerung meinte Hochleitner, der auch Vorstandsvorsitzender von Siemens Österreich ist: "Es ist zwar gut, dass darüber derzeit diskutiert wird. Uns geht es aber in Wahrheit um die Kosten pro Stunde. Und da gibt es viele Schrauben, an denen man drehen kann." Als Beispiele dafür nannte er die Verlängerung der Durchrechnungszeiträume für Mehrarbeit und Überstunden, wo er sich mehr Handlungsspielräume und Flexibilität wünschte.

Hochleitner fügte dann jedoch hinzu: "Das ist mit innerbetrieblichen Vereinbarungen in Österreich aber ohnehin einfacher zu regeln als in Deutschland." Von einer generellen Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden hält der Siemens-Chef nichts, weil "es mehr Angebot als Nachfrage am Arbeitsmarkt gibt". Schließlich meinte er: "Es gibt keine Patentlösung bei der Arbeitszeit."

Österreich müsse sich mit den neuen EU-Mitgliedsländern messen. Es gebe noch einige Chancen, um im Standortwettbewerb zu punkten, vor allem bei der Produktivität hätte das Land im Vergleich zu seinen Nachbarn im Osten einiges zu bieten. Man müsse hierzulande jedoch vorsichtig sein, dass die Lohnkosten nicht jedes Jahr automatisch steigen. Es sei sinnvoller, die leistungsbezogene, individuelle Entlohnung voranzutreiben.

Hochleitner nannte als erfreuliches Beispiel hierfür das einheitliche Entlohnungssystem für die 55.000 Mitarbeiter der Elektro- und Elektronikindustrie. Dieses gilt seit Mai 2004 und sei ein "wichtiger Schritt in Richtung eines einheitlichen Kollektivvertrages (KV) für Arbeiter und Angestellte in der Elektro- und Elektronikindustrie". - Im Herbst sollen laut Hochleitner wieder Gesrpäche mit den Gewerkschaften über den einheitlichen KV aufgenommen werden.