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Vier Wochen Urlaub auf der Ranch

Von Olivier Knox

Politik

Crawford - In der texanischen Sonne schmoren und faulenzen: Das ist der Eindruck, den mehr als die Hälfte der Amerikaner von den Ferien ihres Präsidenten haben. 55 Prozent von ihnen verübeln es George W. Bush einer Umfrage zufolge, dass er sich vier Wochen Urlaub auf seiner 640-ha-Ranch in Texas gönnt - während der Durchschnittsamerikaner auf zwei Wochen Jahresurlaub kommt. Nach der Kritik kündigte Bush nun an, seinen Urlaub um ganze vier Tage zu verkürzen.


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Als neues Machtzentrum fungiert bis Ende August ein verstaubtes Gymnasium in dem 705-Einwohner-Dorf Crawford - "das Weiße Haus des Wilden Westens" steht auf einem Schild. Drinnen informiert Bushs Pressesprecher Scott McClellan Medienvertreter über neue Bush-Pläne.

Washington sei zwar ein "feiner Ort", dennoch ziehe er seine Heimat vor, meinte der Präsident kürzlich auf drängende Fragen der Journalisten. Er sei eben ein Texaner. Außerdem halte nur der Aufenthalt in der freien Natur seine Gedanken frisch. Seit seiner Ankunft am 4. August hat Bush seine Ranch nur selten verlassen: einmal, um beim Bau eines Holzhauses für eine allein erziehende Mutter zu helfen und einmal, um Golf zu spielen.

Kritik an seinem "Arbeitsurlaub", wie McClellan ihn nennt, weist der Hobby-Jogger strikt zurück: Die Nörgler würden eben die wahre Definition von Arbeit nicht verstehen. "Ich schaffe hier eine ganze Menge", trotz der 43. Präsident der Vereinigten Staaten seinen Kritikern. "Man muss nicht in Washington sein, um zu arbeiten." Es sei "faszinierend", was Telefone und Faxgeräten ermöglichen würden. Auch Bushs mitgereiste Berater bekräftigen, der Präsident arbeite in Texas genauso hart wie in Washington.

Sie sind in spartanischen Wohnwägen unweit der Präsidenten-Ranch untergebracht. Telefonisch werden dann Bushs "Top-Experten" zugeschaltet, mit denen der Staatschef nationale und internationale Angelegenheiten wie die Lage im Irak oder die Gewalt im Nahen Osten bespricht. Damit das Ganze auch tatsächlich nicht wie ein Privaturlaub wirkt, sind Kurzaufenthalte in anderen US-Bundesstaaten zur Imagepflege des Präsidenten geplant.

Früher nach Washington

Dennoch will Bush der Diskussion um seinen "Arbeitsurlaub" die Spitze nehmen und früher als geplant nach Washington zurückkehren. Damit liegt seine Erholungszeit dann doch unter dem Rekord von Präsident Richard Nixon, der 1969 30 Tage lang in Sommerfrische war.