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Voest trennt sich von Intertrading

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft
Intertrading hat die Verstaatlichte fast in den Ruin getrieben, heute ist die Voest hochprofitabel.
© Waldhäusl

Damit wird ein schillerndes Kapitel Wirtschaftsgeschichte beendet.


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Linz. Derzeit ist die Voestalpine das profitabelste Stahlunternehmen Europas. Im November 1985 war die damalige "Vöest" eigentlich pleite. Einer der Sargnägel hieß damals Intertrading. Das Handelshaus der Voest hatte damals mit Öl- und anderen Rohstoff-Spekulationen immense Verluste aufgehäuft. Offiziell wurde von 2,5 Milliarden Schilling gesprochen, tatsächlich waren es aber an die vier Milliarden Schilling (300 Millionen Euro).

Am Freitag hat die Voest dieses Kapitel endgültig beendet und die restlichen 38,5 Prozent am Handelshaus an den ukrainischen Rohstoffhändler Kostyantin Zhevago verkauft.

Damit schließt sich ein Kapitel österreichische Industriegeschichte, denn die Intertrading beschleunigte mit ihrem Flop 1985 den Umbau der damals verstaatlichten Industrie. Die Intertrading wurde vom damaligen Vöest-Chef Heribert Apfalter (der später Selbstmord beging) auf über 100 Milliarden Schilling (7,5 Milliarden Euro) Umsatz aufgebläht, weil er hoffte, mit deren Gewinnen die damaligen Verluste in der Stahlproduktion ausgleichen zu können. Intertrading-Chef Gernot Preschern, der 2011 starb, stieg groß in den Ölhandel ein. Und verlor riesige Summen. Der gesamte damalige Vorstand der Voest wurde von Minister Ferdinand Lacina hinausgeschmissen, Preschern 1988 zu einer Haftstrafe verurteilt.

Die Summen klingen in Relation zu den aktuellen Verlustzahlen der Finanzkrise lächerlich gering, 1985 erschütterten sie allerdings die Republik. Die Voestalpine hat nun die Intertrading um kolportierte 20 Millionen Euro verkauft - und macht im Kerngeschäft schöne Gewinne - im Gegensatz zur deutschen Stahlindustrie, die 2013 an hohen Verlusten nagt.