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voestalpine auf dem Weg zu neuem Rekordergebnis

Von Sissi Eigruber, Linz

Wirtschaft

"Langsam ist die Börse gerecht", freute sich der Vorstandsvorsitzende der voestalpine, Wolfgang Eder, gestern anlässlich der Halbjahrespressekonferenz über den gestiegenen Aktienkurs des Stahlkonzerns. "Seit Donnerstag liegt der Kurs der voestalpine über 50 Euro - heute waren es sogar schon 52 Euro", so Eder. Vor einem Jahr kostete die voestalpine-Aktie nicht ganz 33 Euro. Auch bei den Bilanzzahlen konnte Eder über neue Rekordzahlen berichten: Der Betriebserfolg erreichte den höchsten Halbjahreswert der Unternehmensgeschichte.


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Bei Umsätzen von 2,7 Mrd. Euro (plus 20,8%) verbesserte sich das Betriebsergebnis (EBIT) um 27,5% auf 187,1 Mio. Euro. Im Gesamtjahr soll dieser Wert mehr als verdoppelt werden, der Umsatz soll auf 5,5 Mrd. Euro steigen.

Zudem plant die voestalpine in den nächsten 12 Monaten weitere Akquisitionen in Zentral- und Osteuropa. Genaueres wollte Eder noch nicht bekannt geben - nur soviel, dass es kein Stahlwerk sein werde. Gegen Übernahmespekulationen setzte sich Eder zur Wehr: Die voestalpine sei gut aufgestellt und lasse sich nicht mehr "kleinreden". "Wir stehen für Thyssen und andere nicht zur Verfügung, und die versuchen es auch nicht", so Eder. Er hatte heuer den Vorstandsvorsitz von Franz Struzl übernommen, der im Vorjahr über ein Insidergeschäft mit Aktien der VAE gestolpert war und sich vorzeitig von der voestalpine-Spitze zurückgezogen hatte.

Gute Stahlkonjunktur, steigende Rohstoffpreise

Die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2004/2005 war von einer sehr guten Stahlkonjunktur, aber auch stark steigenden Rohstoffpreisen geprägt. "Aus den Rohstoffpreisen heraus leiden wir mehr, als wir profitieren", meinte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Werner Haidenthaler. Daher sei die Steigerung der Produktivität besonders wichtig. Nach dem Abschluss der ersten Stufe des Investitionsprogramms "Linz 2010", in dessen Rahmen unter anderem ein neuer Hochofen in Betrieb genommen wurde, würden nun die Details der Phase zwei ausgearbeitet. Die Strategie, sich als Nischenplayer zu etablieren, werde die voestalpine jedenfalls weiterführen, so Eder. Das wesentliche Ziel sei daher nicht mehr Stahl zu machen, sondern "mehr als Stahl".

Die höheren Rohstoffpreise - vor allem bei Erz, Koks, Kohle und Schrott - werden sich im laufenden Geschäftsjahr 2004/2005 (per Ende März) mit Mehrkosten von 300 Mio. Euro (plus 30% im Vergleich zum Vorjahr) zu Buche schlagen, erläuterte Eder, der noch für mindestens ein Jahr steigende Preise erwartet. Als Basis dafür sieht er nicht nur die hohe Nachfrage aus China, auch die künftige Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und Dollar werde dafür eine entscheidende Rolle spielen.

Die Division Bahnsysteme leide unter den Einsparungen der europäischen Bahnunternehmen, doch dafür laufe das Geschäft mit Südafrika, Australien, den USA und Kanada gut. Dort sei auch eine weitere Belebung des Geschäfts zu erwarten, erklärte Vorstandsmitglied Josef Mülner. Auch in Indien gebe es einen Aufbruch in die neue Bahntechnologie.

Mit einem schwierigen Marktumfeld hat die Division motion zu kämpfen, da die Automobilindustrie stark unter Druck steht. Doch "es geht nicht allen Autoherstellern schlecht", betonte Eder.

Bei der Division Profilform sei keine grundlegende Änderung des günstigen Marktumfeldes zu erwarten, auch wenn ein Nachlassen der Überhitzungstendenzen zu erwarten sei.

Die Division Stahl sollte in der Lage sein, die höheren Rohstoffpreise an den Markt weiter zu geben, so die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr.

Neues Arbeitszeitenmodell mit 1. März 2005

Mit 1. März 2005 wird die voestalpine in einem einjährigen Pilotprojekt ein neues Arbeitszeitenmodell für den 4-Schicht-Betrieb einführen. Das Modell "Life" werde vorerst nur für einen Teilbereich des Unternehmens gelten. Die Mitarbeiter könnten dann - festgelegt auf einen bestimmten Zeitraum (1 bis 2 Jahre) - zwischen einer 33- bis 38,5-Stunden-Woche wählen. Damit möchte das Unternehmen in Bereichen mit geringerer Auslastung flexibler werden und die Mitarbeiter hätten die Möglichkeit einen anderen Lebensrhythmus zu wählen. Per Ende September 2004 beschäftigte die Voest 24.167 Mitarbeiter (ohne Lehrlinge). Das waren um 5,4% mehr als zum gleichen Stichtag des Vorjahres.