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Volksbanken kokettieren mit Börse

Von Karl Leban

Wirtschaft

Pinkl sieht keine Probleme durch US-Hypothekenkrise. | Nur mit Summe von 50 Mio. Euro in ABS-Markt investiert. | Am Kauf der Bawag-Kredite für die öffentliche Hand weiter interessiert. | Alpbach. So wie andere heimische Großbanken ist auch die Österreichische Volksbanken AG (Övag) nur minimal im krisengeschüttelten US-Hypothekenmarkt engagiert. "Unser direktes Investment beträgt drei Millionen Euro", stellte Bankchef Franz Pinkl Montagabend im Rahmen des Bankenseminars beim Europäischen Forum Alpbach klar. Indirekt hat das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbanken zusätzlich 47 Mio. Euro in riskante Subprime-Kredite veranlagt - über ABS-Papiere (Asset Backed Securities, also forderungsbesicherte Investments, Anm.).


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Dass es für den Volksbankensektor wegen der Verwerfungen auf dem US-Immobilienmarkt zu Verlusten kommen könnte, damit rechnet Pinkl nicht. Er vertraut auf die hohen Bonitätsbewertungen dieser Investments: "Ich sehe keine Probleme."

Hochrangige Vertreter seiner Branche warnen unterdessen jedoch, dass selbst beste Ratings keine Garantie gegen Verluste sind. Vor diesem Hintergrund sind zuletzt auch internationalen Ratingagenturen ins Schussfeld der Kritik geraten.

Bei der Bawag ist die Övag am Kauf des Kredit-Portfolios für die öffentliche Hand nach wie vor interessiert. "Wenn ein Angebot folgt, würden wir es prüfen", so Pinkl. "Dieser Geschäftsteil würde gut zu uns passen." Mit der Wiener Spezialbank Investkredit hat die Övag vor zwei Jahren auch deren Tochter, die auf öffentliche Finanzierungen spezialisierte Kommunalkredit, übernommen.

In Medien war zuletzt spekuliert worden, dass der neue Neo-Bawag-Eigentümer Cerberus das milliardenschwere Kreditgeschäft mit Bund, Ländern und Gemeinden verkaufen will. Bawag-Generaldirektor Ewald Nowotny dementierte aber. Und auch Pinkl sagt, dass es bisher keine Gespräche zwischen Bawag und Övag gegeben habe.

Weiterhin nicht ausgeschlossen scheint ein Börsegang entweder bei der Övag selbst oder deren stark wachsender Osteuropa-Tochter Volksbank International

(VBI) zu sein. Beide sollen in den nächsten drei Jahren zumindest börsefit gemacht werden. Pinkl: "Wir wollen in der Lage sein, wie ein börsenotiertes Unternehmen zu agieren."

Konkrete Zielvorgaben

Für die Övag sind dabei bis 2010 konkrete Ziele vorgegeben: 500 Mio. Euro Vorsteuergewinn, mehr als 15 Prozent Eigenkapitalrendite und ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von "nachhaltig" weniger als 60 Prozent. Zum Vergleich: 2006 - dieses Jahr brachte die sechste Rekordbilanz in Folge - hat der Övag-Konzern das Vorsteuerergebnis auf 309 Mio. Euro gesteigert, die Eigenkapitalrendite auf 14,4 Prozent verbessert und die Kosten in Relation zum Ertrag erstmals auf unter 60 Prozent gedrückt.

Die Övag, die im Vorjahr mit einer um fast ein Viertel gestiegenen Bilanzsumme (67,4 Mrd. Euro) die Bawag vom vierten Platz in der heimischen Bankenlandschaft verdrängt hat, gehört mehrheitlich den Volksbanken (58 Prozent). Die deutsche DZ Bank hält mit 25 Prozent und einer Aktie eine Sperrminorität, die deutsche Ergo-Versicherung ist mit 10 Prozent beteiligt, Raiffeisen mit sechs Prozent. Bei ihrer hoch profitablen 51-Prozent-Tochter VBI hat die Övag neben der DZ Bank und der WGZ Bank noch die französische Banque Federale des Banques Populaires als Partner an Bord. Auf diese entfällt ein gemeinsamer Anteil von 49 Prozent. In Osteuropa ist die VBI, deren Bilanzvolumen im ersten Halbjahr 2007 um fast 70 Prozent auf 8,2 Mrd. Euro wuchs, in neun Ländern präsent (Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Ukraine, Bosnien-Herzegowina und Serbien).

Fokus auf Osteuropa

"Neue Länder sollen vorerst nicht dazukommen", so VBI-Präsident Pinkl. "In den Ländern, wo wir vertreten sind, haben wir genug zu tun. Es gibt dort eine Fülle von Möglichkeiten - etwa in Rumänien oder der Ukraine."

Nachdem die VBI im Osten bisher immer eigene Banken gegründet hatte, wurden heuer erstmals Bankinstitute zugekauft - in der Ukraine die regionale Elektron Bank und in Bosnien die Zepter Bank. Laut Pinkl könnte noch in diesem Jahr eine weitere Akquisition folgen.