Zum Hauptinhalt springen

Volksbanken spüren Zinswende bei Nachfrage nach Immo-Krediten

Von Karl Leban

Wirtschaft

CEO Fleischmann plädiert für die Aufhebung der FMA-Verordnung zur strengeren Kreditvergabe.


Jahrelang haben Wohnimmobilienkredite in Österreich aufgrund der tiefen Zinsen geboomt. Doch inzwischen sind solche Finanzierungen im Gefolge der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank recht teuer geworden. Das hat diesen Boom beendet. Viele heimische Geldhäuser berichten bereits über eine rückläufige Nachfrage nach Immobilienkrediten - so auch die Volksbanken-Gruppe. Für sie war der Rückgang in den vergangenen drei Monaten des abgelaufenen Jahres deutlich spürbar. Wie ihr Chef Gerald Fleischmann, der auch CEO des Spitzeninstituts der Gruppe, der Volksbank Wien, am Donnerstag mitteilte, habe sich die Nachfrage im vierten Quartal 2022 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal mehr als halbiert.

Geht es nach Fleischmann, wäre die im vergangenen Jahr von der Finanzmarktaufsicht (FMA) erlassene Verordnung zur strengeren Vergabe von Immobilienkrediten an private Haushalte mittlerweile gar nicht mehr notwendig. "Die Kreditnachfrage sinkt ja ohnehin", sagte der Banker bei der Präsentation der vorläufigen Jahresbilanz. Die FMA hat ein verbindliches Regelwerk verfügt, um die starke Nachfrage einzubremsen und so zu verhindern, dass sich im Land eine Immobilienpreisblase aufbaut, die im Fall des Platzens die Finanzmarktstabilität Österreichs gefährden könnte.

Seien früher lange nur Zinsen von rund 1 Prozent zu zahlen gewesen, seien es nunmehr 4 bis 5 Prozent, so Fleischmann. Dies habe die Kreditnachfrage gesenkt und gleichzeitig auch Druck aus dem heimischen Immobilienmarkt herausgenommen. "Wir brauchen die Vergaberegelung der FMA nicht mehr", betonte er.

Diese sieht vor, dass Finanzinstitute darauf achten, dass Wohnimmobilienkredite nicht länger als 35 Jahre laufen, der Eigenmittelanteil mindestens bei 20 Prozent liegt und die Rückzahlungsrate maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens ausmacht. Erst kürzlich hat das Finanzmarktstabilitätsgremium der FMA empfohlen, von den verschärften Vergaberegeln moderat abzurücken und die jetzige Verordnung per 1. April anzupassen. Zuvor waren vor allem auf politischer Seite Rufe nach einer Lockerung laut geworden.

Staatsgeld nun ganz retourniert

2022 legte der Volksbanken-Verbund beim Betriebsgewinn (bereinigt um die Rückzahlung der letzten Tranche einer früheren Staatshilfe) kräftig zu - um mehr als 42 Prozent auf 231,4 Millionen Euro. Wie Fleischmann erklärte, hätten vor allem das um gut 15 Prozent gestiegene Zinsergebnis sowie die erstmals auf knapp unter eine halbe Milliarde Euro gedrückten Verwaltungskosten dazu beigetragen.

Vom Staat konnten sich die Volksbanken dank ihrer guten Ergebnisse zuletzt loseisen - ein Jahr früher als geplant. Ende 2022 zahlten sie der Republik die letzte Rate des Partizipationskapitals - 85 Millionen Euro - zurück. Zur Erinnerung: Im Zuge der Finanzkrise hatte sich der Bund mit 300 Millionen Euro an der Volksbank Wien beteiligt, um so den gesamten Volksbankensektor zu stützen.

Heuer wollen die Volksbanken trotz Konjunkturflaute weiter wachsen. Viel verspricht sich Fleischmann vom Geschäft mit der Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen und anderen Investitionen in erneuerbare Energien.