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"Vom Erdboden auslöschen"

Von Michael Schmölzer

Politik

Trump hat Extremisten weltweit in seiner Inaugurationsrede den Krieg erklärt. Erste Taten folgen.


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Washington. Außenpolitisch große Zurückhaltung, im Kampf gegen den internationalen Terror keine Gnade: Das sind die Leitlinien der "Trump-Doktrin", die der neue US-Präsident für die nächsten vier Jahre ausgegeben hat. "Wir werden die zivilisierte Welt gegen radikal-islamischen Terrorismus vereinen, den wir vom Erdboden auslöschen", so der Republikaner in seiner Inaugurationsrede am 20. Jänner. Während des Wahlkampfes hatte Trump in der ihm eigenen Wortwahl gemeint, dass man "die Scheiße aus dem IS herausprügeln" solle.

Nachdem der Republikaner nach dem Motto "Taten statt Worte" vorgeht, hat die US-Armee in den letzten Tagen größere Militäraktionen im Jemen, in Afghanistan und in Syrien gestartet. Wobei die GIs in allen diesen Ländern schon unter Barack Obama tätig waren. Und manchmal zögerlich eingriffen, wie im Fall Syrien, manchmal mit höchst fragwürdigen Mitteln, wie im Jemen und im afghanisch-pakistanischen Grenzland. Dort kamen Drohnen zum Einsatz, auch Zivilisten wurden getötet, der Hass auf die USA stieg ins Grenzenlose.

Apache-Hubschraubergegen Al-Kaida

Im Jemen läuft seit dem vergangenen Wochenende eine Offensive gegen Al-Kaida, die sich in dem südlich von Saudi-Arabien gelegenen Land festgesetzt hat. Die Angriffe werden mit Drohnen, aber auch Apache-Hubschraubern geflogen, 14 Al-Kaida-Extremisten und ein US-Soldat sollen dabei getötet worden sein. Es soll auch zu Kämpfen am Boden gekommen sein.

Für die USA ist Al-Kaida im Jemen der gefährlichste Ableger des Terrornetzwerkes, Trump hat in einem Dekret verfügt, dass Bürger dieses Landes pauschal nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Im Jemen tobt zudem ein Bürgerkrieg zwischen vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen und einer Koalition, die von arabischen Staaten unterstützt wird. Dem Land droht eine Hungersnot, es soll in dem Konflikt insgesamt mehr als 7400 Tote gegeben haben.

Kriegsschauplatz Nummer zwei ist Afghanistan, das 2001 von den USA besetzt worden war. Ein Schlachtfeld, das aus Sicht Washingtons einem Albtraum gleicht, der kein Ende nimmt. Mehr als 2300 US-Soldaten sind bereits gefallen, eigentlich sollte kein GI dort mehr Dienst tun. Tatsächlich hat das Pentagon immer noch 8400 Soldaten am Hindukusch, weil die afghanische Armee ohne Hilfe nicht überlebensfähig ist. Die jüngsten Zahlen sind niederschmetternd, demnach kontrollieren die Islamisten wieder beinahe die Hälfte des afghanischen Territoriums.

Die offiziellen Sicherheitskräfte sind enorm unter Druck, die USA mussten zuletzt eine ganze Serie an Luftangriffen fliegen. In 48 Stunden sei man insgesamt 15 Mal ausgerückt, so der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, am Mittwoch. Gekämpft wird mit großer Härte in der Provinz Helmand, dort sollen die Taliban zahlreiche Militärposten einfach überrannt haben. Laut US-Angaben konnten sie aber zurückgeschlagen werden.

Dritter Kriegsschauplatz ist Syrien, wo Daesh, die fanatischen Kämpfer des IS, immer noch weite Landstriche kontrollieren. Washington hat jetzt einem Bündnis prowestlicher Milizen erstmals schwer gepanzerte Fahrzeuge geliefert. Das Gerät soll bereits vor einigen Tagen eingetroffen sein. Die Lieferung deutet auf eine neue Politik unter Trump in Syrien hin. Bisher haben die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) nur leichte Waffen und Munition erhalten. Es herrschte die Angst, dass das schwere Gerät in die Hände des IS fallen könnte.

Der verfügt bereits über zahlreiche Humvees, die der irakischen Armee aus US-Beständen geliefert worden und oftmals kampflos in die Hände der Terroristen gefallen waren. Die aktuelle Aufrüstung sorgt in der Türkei für Beunruhigung, weil die mit Ankara verfeindete Kurdenmiliz YGP Teil der SDF ist.