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Vom Küken bis zur Panier

Von Petra Tempfer

Wirtschaft
Foto: fotolia/Nimmervoll

Landwirtschaftskammer fordert verpflichtende Kennzeichnung von Eiern, die in der Gastronomie verarbeitet sind.


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Wien. Eigentlich sollte es Legehennen, die in Käfigen leben, in Europa gar nicht mehr geben. Laut Gesetz dürfen sie nämlich seit 1. Jänner 2012 nur noch auf dem Boden gehalten werden. Ist aber nicht so. Daher ließ die Landwirtschaftskammer (LK) am Montag mit einer Forderung aufhorchen, die es in dieser Form - rein theoretisch - gar nicht geben könnte. Gemeinsam mit der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) forderte sie die verpflichtende Kennzeichnung von Eiern, die in der Gastronomie verarbeitet sind. Damit der Konsument weiß, unter welchen Bedingungen die Legehennen lebten.

Die schwarzen Schafe in der Geflügelindustrie seien Drittstaaten und EU-Mitgliedstaaten wie zum Beispiel Griechenland, die das Verbot der Käfighaltung noch nicht umgesetzt haben, sagte LK-Präsident Hermann Schultes am Montag. Diese "gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Legehennenhalter".

"Konsument hat keine Wahl"

Denn Gastronomen sind nun einmal Unternehmer und tendieren daher zu billiger Ware. Woher diese kommt, spielt oft eine untergeordnete Rolle. "Unsere Aufgabe ist, die Gastronomen ins österreichische Eierboot zu holen", sagte ZAG-Obmann Franz Schrall - räumte aber ein, dass es nicht ganz einfach sei, die Antwort auf die Frage "Woher kommt das Ei in meiner Schnitzelpanier?" auf die Speisekarte zu bringen. Auch bei Nudeln oder Kuchen fehle eine klare Kennzeichnung und somit die Wahlmöglichkeit für die Konsumenten. Denn beim Einkauf von Frischeiern achten diese sehr wohl auf die Herkunft, so Schrall, und greifen zu heimischer Ware. Rund 90 Prozent dieser Eier sind in der Eierdatenbank erfasst: ein System, über das die Herkunft nachvollzogen werden kann. Der Schlüssel dazu ist ein Code auf dem Ei, der für alle Eier mit AMA-Gütesiegel verpflichtend ist.

Bereits vor drei Jahren hatte Österreich einen ersten Versuch gestartet und einen Antrag auf eine nationale verpflichtende Kennzeichnung in der Gastronomie nach Brüssel geschickt. Die EU-Kommission hat diesen jedoch abgelehnt. Die Begründung: Eine solche Kennzeichnung habe keinen Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit. Daraufhin hat sich in Österreich eine überparteiliche Allianz gebildet (unter anderen LK, ZAG und Ökosoziales Forum), die weiterhin für das gemeinsame Ziel eintritt. Die Wirtschaftskammer kommt nur zögerlich entgegen. Sie hat zwar zu einer Kennzeichnung auf freiwilliger Basis aufgerufen - einer Verpflichtung steht sie allerdings skeptisch gegenüber. "Damit wird doch alles nur noch komplizierter", sagte der Wiener Gastronomie-Fachgruppenobmann Wilhelm Turecek zur "Wiener Zeitung".

Hennen fressen Donau Soja

Aus Österreichs Supermärkten sind Käfig-Eier (sie waren mit der Ziffer "3" gekennzeichnet) bereits gänzlich verschwunden, die heimischen Landwirte decken den Eigenbedarf fast zur Gänze. Vor zehn Jahren stellten die ersten Betriebe auf Bodenhaltung um. Heute kommen 68 Prozent der Legehennen aus Bodenhaltung (Ziffer "2") und 22 Prozent aus konventioneller Freilandhaltung (Ziffer "1"). Der Rest produziert Bio-Eier (Ziffer "0"). Um die Bezeichnung "Bio" zu erhalten, dürfen die Hühnerställe eine gewisse Mindestgröße nicht unterschreiten, und das Futter muss aus der Region stammen. Bezüglich Futter ist ebenfalls viel passiert. Seit drei Jahren werden keine gentechnisch veränderten Körner mehr verfüttert. Vor wenigen Monaten erfolgte der nächste Schritt: Die heimischen Legehennen bekommen nur noch Donau Soja.

"Österreichs Landwirte haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 Millionen Euro in tierschutzgerechte Haltungsformen investiert und fordern nun einen fairen Wettbewerb", resümierte LK-Präsident Schultes. Die Hennen sind jedenfalls mehr als fleißig: Die insgesamt sechs Millionen Hennen legen 1,5 Milliarden Eier jährlich, die Hälfte davon wird in Lebensmitteln verarbeitet. Jeder Österreicher isst etwa 234 Eier. Die meisten davon - wann sonst - zu Ostern.